FeedTurpin
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Turpin, auch, wie die Namensform in den ältesten Quellen lautet, Tulpinus, war Erzbischof von Reims, als welcher er 800 starb. Am bekanntesten wurde sein Name durch die —7 fälschlich beigelegte Chronik, die einen zweimaligen Zug Karls d. Gr. nach Spanien in agenharter Ausschmückung erzählt. Die fünf ersten Kapitel bilden den Grundbestandteil des Werks, welches im Interesse der Förderung der Pilgerfahrten nach Compostella von einem span. Geistlichen geschrieben ward, der sich gar nicht für T. ausgibt, sondern seiner als eines dritten gelegentlich erwähnt. Der Verfasser der übrigen Chronik schreibt 9 poetischen Unterhaltung und erzählt als angeblicher Augenuge Karls zweiten Zug nach Spanien, der d n Kriegszug des Heiden Aigoland veranlaßt wird. Das ursprüngliche Werk wurde um die Mitte des 11.Jahrh. verfaßt, der zweite Teil im zweiten Jahrzehnt des 12. Jahrh. Gedruct findet sich die Chronit in Reubers »Scriptoress (Frankf. 1584; wieder herausg. von Joannes, Hanau 1619), in Reiffenbergs Ausgabe der „Chronique de Philippe Mouskes (2 Bde., Brüss. 1836). Besonders herausgegeben wurde sie durch Ciampi, De vita Caroli Magni et Rolandi historia de Turpino vulgo tributas (Flor. 1822). Eine deutsche Übersetzung lieferte Hufnagel im »Rhein. Taschenbuchv (1822). In Romanzen bearbeitet ward die Chronik von F. Schlegel im Poetischen Taschenbuch für 1806v; im Auszuge mit kritischen Beigaben veröffentlichte sie Schmidt, »Uber die ital. Heldengedichte aus dem Sagenkreis Karls d. Gr.».(Berl. u. Lpz. 1820). Eine gute kritis e Untersuchung über die Geschichte und die Verfasser der Chronik gab G. Paris, De Pseudo-Turpinos (Par. 1865).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 927Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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