Tychsen (Olaus Gerhard), berühmter Orientalist, geb. 1734 zu Tondern in Schleswig, bezog, mit gründlicher Kenntnis des Rabbinischen ausgerüstet und besonders gewandt im Jüdischdeutschen, 1756 die Universität zu Halle, wo er nachher am Waisenhaus angestellt wurde. Da Callenberg in ihm einen Mitarbeiter zur Bekehrung der Juden zu finden glaubte, so durchwanderte T. für dessen Zwecke 1759 und 1760 Deutschland und Dänemark; doch gelang es ihm nicht, auch nur einen einzigen Juden zu bekehren. Im J. 1760 folgte er dem Rufe an die neuerrichtete Universität zu Bützow, wurde 1763 ord. Professor der orient. Sprachen und gewann durch litterarische Thätigkeit, die sich ebenso mannigfach als seltsam äußerte, einen Ruf durch ganz Europa. Als 1789 die Universität zu Bützow wieder aufgelöst wurde, kam T. als Oberbibliothekar und Vorsteher des Museums nach Rostock, wo er 30. Dez. 1815 starb. Seine wichtigste Schrift ist 4 Bützowische Nebenstundeno (6 Bde., Bützow 1766—69), ein reichhaltiges Repertorium für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Für die biblische Litteratur war er wirksam durch Sammeln von Varianten aus Raschi, Vergleichung der alten übersetzungen mit dem hebr. Grundterte, genaue Beschreibungen der merkwürdigsten Bibelausgaben u. s. w. Ihm gebührt der Ruhm, die arab. Paläographie zuerst fest begründet zu haben. Seine Sammlungen, reich an Manuskripten und Kuriosen aller Art, kamen an die Universitätsbibliothek zu Rostock. Vgl. Hartmann, Oluf Gerhard T.» (2 Bde., Brem. 1818 20).