Ursins (Anne Marie de la T rémouille, Herzogin von U.), geb. 1641, heiratete 1659 Adrien Blaise de Talleyrand, Prinz von Chalais, dem sie 1663 infolge eines Duells in die Verbannung nach Spanien und Italien folgte. Im J. 1670 verwitwet, vermählte sie sich in Rom 1675 mit dem Herzog von Bracciano, Flavio Orsino, den sie 1695 ebenfalls verlor. Schon in diesen Jahren war die geistreiche und intrigante Frau, die wiederholt nach Frankreich kam, die Seele der franz. Partei an der Kurie, welche sie für die span. Projekte ihres Hofs zu gewinnen suchte. So konnte Ludwig XIV. nach der Thronbesteigung Philipps V. keinen bessern Vertreter seiner Interessen am Hofe von Madrid finden, als die Herzogin von U., welche als Oberhofmeisterin die junge Königin Marie Luise von Savoyen nach Spanien begleitete. Anfänglich allmächtig, sah sie sich doch bald von einer span. Fraktion und sogar vom franz. Gesandten d'Estrées selbst bedrängt, welcher sie in Versailles denunzierte und ihre 7+½1 durchsetzte. Statt nach Italien, wie der Befehl lautete, ging sie an den Hof Ludwigs XIV., rechtfertigte sich glänzend und kehrte 1705 nach Madrid zurück. Sie behauptete ihre Stellung mit Energie und Einsicht in den Wechselfällen des großen Kriegs bis an den Tod Marie Luisens (14. Febr. 1714), indem sie der Monarchie Philipps mehr und mehr den span. Charakter aufprägte. Als Clisabeth von Parma Gemahlin des unselbständigen Königs wurde, waren die Tage ihrer Herrschaft gezählt. Noch auf dem Wege nach Madrid entließ die Königin (Dez. 1714) sie mit schimpflicher Härte. Die Herzogin lebte dann mit einem franz. Jahrgehalt in Holland, Genua und seit 1719 in Rom, wo sie, mit dem madrider Hofe seit Alberonis Sturz wieder ausgesöhnt, noch einmal bis an ihren Tod (5. Dez. 1722) Ansehen und Einfluß behauptete.