Vaerst (Friedr. Christ. Eugen, Baron von), geistreicher Schriftsteller, geb. 10. April 1792 zu Wesel, erhielt seine Erziehung zu Bayreuth, dann auf dem Kadettenkorps in Berlin, bis er 1810 in das 2. „westpreuß. Regiment zu Breslau eintrat. Nachdem er mit demselben 1812 dem Feldzuge gegen Rußland, 1813 — 15 den Feldzügen gegen Frankreich beigewohnt, nahm er 1818 als Hauptmann seine Entlassung, lebte darauf erst zu Berlin, dann in Schlesien, nachher auf Reisen in Frankreich, England u. s. w. Seit 1825 war er Mitinhaber der „Breslauer Zeitungv. Im Sept. 1840 wurde ihm Pacht und Direktion des breslauer Stadttheaters auf 10 Jahre übertragen. Er zog sich jedoch 1847 nach Herrndorf bei Soldin einem Rittergute seines Bruders, zurück und starb erblindet 16. Sept. 1855. Als Schriftsteller machte sich V. besonders durch die seinerzeit viel Aufsehen erregende Cavalierperspektiver (Epz. 1836), die er unter dem Namen Chevalier de Lelly veröffentlichte, durch Die Pyrenäenv (2 Bde., Bresl. 1847) und die Gastrosophier (2 Bde., Lpz. 1852) bekannt. Sein Bruder, Hermann Hans Hugo, Baron von V., geb. 15. Nov. 1798 zu Bayreuth, trat im Jan. 1813 als Freiwilliger in ein preuß. Ulanenregiment und nahm an den Feldzügen von 1813 bis 1815 teil. Nachdem er 1840 als Major seinen Abschied genommen, kaufte er das Rittergut Herrndorf bei Soldin. Im J. 1848 ward er als Stellvertreter für den Abgeordneten seines Wahlbezirks in die Nationalversammlung nach Frankfurt gewählt. Im Jan. 1862 trat er in das preuß. Abgeordnetenhaus, in welchem er der Fortschrittspartei angehörte und bis zum Schluß der Frühjahrssession 1867 blieb. Auch war er Mitbegründer der nationalliberalen Partei und Mitglied des ersten Reichstags des Norddeutschen Bundes. Seitdem zog er sich von der polit. Thätigkeit zurück. Er starb 22. Juli 1877 in Gotha.