Valencia, ein zu Spanien gehöriges Königreich von 23042 qEm mit (Ende 1877) 1371 145 E., begreift den schmalen Küstenstrich, welcher südlich von Catalonien bis nach Murcia sich Ucastüln und, im Westen von Südaragonien und Neucastilien begrenzt, den Ostabfall des Plateau von Innerspanien zum Mittelländischen Meere bildet. Das Land besteht demnach in seinem mittlern Teile aus der schmalen Ebene am Mittelländischen Meer, dessen Küste hier sehr sandig, niedrig, hafenarm, aber lagunenreich ist, und den Gebirgsausläufern, in welchen sich der Ostkamm des span. Plateau ostwärts abdacht und die das Innere zu einem Gebirgslande machen. V. ist berühmt wegen seines schönen milden Klimas, sowie seiner Fruchtbarkeit, die sich jedoch nur zeigt, wo das Land bewässert ist. Die Produkte sind im allgemeinen die des südl. Spanien; besonders infolge der ausgezeichneten künstlichen Bewässerung ist das Land reich an edeln Weinen, Ol, Südfrüchten, Reis, Safran, Soda, Esparto, Hanf, Honig, Kermes, Seide und Seesalz in den Lagunen; selbst die Datteln gedeihen reichlich. Die Lagunen am Meer, besonders die von Albufera (s. d.), sind reich an wildem Geflügel und Fischen. Die Einwohner zeigen eine starke Mischung mit maurischem Blut und zeichnen sich durch Fleiß im Landbau wie in den Gewerben aus, sodaß V. nach Catalonien die gewerbsamste Provinz Spaniens ist, die ansehnliche Seiden⸗,Woll⸗, Spiritus-, Esparto⸗, Papier-⸗ und Seifenfabriken enthält. In den J. 1233 — 53 wurde V. von den Aragoniern erobert und 1319 für immer mit der Krone Aragonien vereinigt. Das Edikt Philipps III. vom 22. Sept. 1609 verurteilte die Moriskos des Landes zum Verlassen des span. Bodens; die Vertriebenen wanderten nach Nordafrika aus. Das ganze Land zerfällt in administrativer Hinsicht in die drei Provinzen Valencia (11271,6% qkm mit 679 030 E.), Alicante und Castellon de la Plana. Unter den Städten des Landes ist die Hauptstadt Valencia, im Altertum Valentia Edetanorum genannt, die bedeutendste. In einer der reizendsten Gegenden der Huerta (Garten) von V. am Guadalaviar und an den Eisenbahnen Almansa-Tarragona und V.⸗Busol in einer herrlich angebauten Ebene gelegen, gehört es zu den bedeutendsten und schönsten Städten der Halbinsel. Mit Mauern und Türmen aus alter, zum Teil sarazen. Zeit umgeben und durch eine Citadelle verteidigt, zählt es in seinen engen, aber mit massiven, zum Teil sehr altertümlichen Häusern versehenen Straßen und auf seinen neun öffentlichen Plätzen eine 4 Anzahl schöner Gebäude und 14 Kirchen. ie bedeutendsten davon sind der 1262 begonnene Dom, mit prachtvollem Portal am südl. Arm des Querschiffs, achteckiger reichgeschmückter Kuppel über der Vierung aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrh., dem achteckigen Glockenturm el Miguelete aus dem Anfang des 15. Jahrh. und Gemälden von Ribera, Zurbaran und Rafael Mengs im Innern, ferner Sta.⸗Catalina, eine ehemalige Moschee, mit sehr zierlichem Turm, der prächtige 1546 gebaute Kreuzgang des Klosters San-Miguel de los Reyes (außerhalb der Stadt), der königl. Palast, die Börse, das allgemeine Hospital und die Strafanstalt. Die Stadt ist der Sitz des Generalkapitäns, der Provinzialbehörden eines Erzbischofs (seit 1492), einer königl. Audienz, einer Handelskammer, einer Filiale der Bank von Spanien und eines deutschen Konsuls für die Provinz. An wissenschaftlichen Anstalten besitzt sie eine 1410 Eaamiens. Universität, jetzt eine der besuchtesten paniens, den besten botan. Garten Spaniens, ein Museum mit vorzüglichen Gemälden span. Meister des 17. Jahrh. und eine Akademie der bildenden Künste. Die Einwohner, (1884) 144048 an der Zahl, sind sehr gewerbfleißig und treiben Fabrikation in Cigarren (3500 Arbeiter), Seide, Papier und Seife und bedeutenden Handel sowohl zu Lande als zur See, namentlich mit Wein. Letzterer wird mittels der ziemlich unsichern Reede der 4433 E. zählenden Stadt Villanueva del Grao betrieben, die durch eine 4 kmelange Eisenbahn mit V. verbunden und Station der Messageries Maritimes und von zwei span. Dampferlinien ist. V., von D. Brutus nach Besiegung der Lusitanier 138 v. Chr. als röm. Kolonie angelegt, gehörte während der Republik zur Provirz Hispania Citerior, seit Augustus zu Hispania Jarraconensis und seit Diocletian zu Hispania Carthaginensis, kam 411 zum Reich der Alanen und gehörte 438 —448 zum Reich der Sueven unter Rechila. Nach dem Fall des westgot. Reichs in Spanien 711 geriet es unter die Herrschaft der Mauren, gehörte während der letztern zur Landschaft Murbatur und hieß damals Belisa und Bagentia. Von 1021 bis 1085 geboten hier die Beni Alamari, 1085—92 die Dynastie der Dhulnuniden; 1092 fiel die Stadt nach hartnäckiger Verteidigung in die Hand der Almoraviden, denen es 1094 der Cid entriß, aber 1102 wieder überlassen wurde. Den Mauren verblieb V. bis 1238, in welchem Jahre es Jayme I. von Aragonien am 28. Sept. zur Ergebung zwang. Während der J. 1520—22 befand sich V. im Aufstand gegen Kaiser Karl V. Im span. Unabhängigkeitskriege wurde V. nach langer Belagerung 9. Jan. 1812 von Suchet durch Kapitulation genommen.