FeedVanillenschoten sind bis 30 em lang
PflanzenreichBrockhaus 1882

Vanillenschoten sind bis 30 em lang, tiefbraun, runzelig, äußerlich mit Krystallen von Vanillin bededt und von überaus angenehmem Geruch. Sie werden vor der völligen Reife abgenommen und, nachdem sie einige Tage an einem schattigen Orte gelegen, in der Sonne getrocknet, dann in Bündel von 50 Stück gebunden und in Blechkästen gelegt. Man unterscheidet im Handel verschiedene Sorten, unter denen die V. corriente, aus fußlangen, dünnhäutigen, ganz mit einem überaus würzigen Fruchtbrei erfüllten Schoten, für die beste gilt. ihr wird die V. silvestre am meisten geschätzt. Zu den geringsten Sorten gehört die V. boba oder Vanillon, deren Schoten zwar sehr stark, aber unangenehm riechen. Häufig überstreut man die Schoten mit Benzoésäure, um ihnen ein wertvolleres Ansehen zu geben. Die Vanillenschote (offizinell als Fructus oder Siliqua vanillae) enthält außer verschiedenen Extraktivstoffen einen krystallinischen Körper, das Vanillin (s. d.), welcher der Träger der aromatischen Eigenschaften der Vanille ist, welches neuerdings auch künstlich hergestellt wird, weshalb die Vanille im Preise außerordentlich gesunken ist und die Kultur derselben sich kaum mehr lohnt. Zu mediz. Zwecken wird gegenwärtig die Vanille nur noch wenig angewendet. Desto ausgedehnter und vielfacher ist ihre Benutzung in der Parfumerie und als Gewürz, zumal bei der Chokoladen⸗ und Eisfabrikation. Die Produktion derselben belief sich 1877 auf 6993 kg von Mexiko, 18261 kg von Reunion,‚ 15300 kg aus Niederländisch-Ostindien, 4353 kg von andern Ländern, insgesamt 44 90⁷Kg zum Durchschnittspreise von 80 Mark für das Kilogramm. Jetzt beträgt der Preis für das Kilogramm höchstens noch 30—40 Mark. Mit dem Namen Vanille oder Vanillenstrauch pflegen die Gärtner das häufig zur Zierde kultivierte Heliotropium peruvianum zu belegen, weil dessen Blüten nach Vanille duften. Banillenstrauch, s. Heliotrop. kampfer), der aromatische Stoffaus der Vanillels.d)., findet sich darin in sehr verschiedenen Mengen, so in Mexiko-Vanille zu 1,3 bis 1,5 Proz., in Bourbon-Vanille zu 1, bis 2,5 Proz., in Java-Vanille bis u 2,5 Proz. Es krystallisiert in schönen weißen adeln, weuche in hohem Grade den charalteristischen Geruch und Geschmack der Vanilleschoten besitzen; sie schmelzen bei etwa 80, sind leicht löslich in Ather und Alkohol, schwer löslich in kaltem und leichter löslich in heißem Wasser. Von großem wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Interesse ist die von Tiemann und Haarmann in Berlin 1874 emachte Entdeckung der künstlichen Darstellung des G. aus dem Cambialsaft der Coniferen, in welchem sich ein Stoff, das Coniferin, findet, welches bei seiner Spaltung neben Traubenzucker V. liefert. Später hat man das V. auch fertig gebildet im Benzoé⸗ und Guajakharz, sowie in den Zuckerrüben, den Hüllen der Haferkörner und andern Substanzen gefunden. Das V. scheint überhaupt ein im Pflanzenreiche sehr verbreiteter Stoff zu sein. Die technische Gewinnung aus dem Coniferin ist aufgegeben worden, seitdem von Tiemann die Entdeckung gemacht wurde, daß das im Nelkenöl in reichlicher Menge vorhandene Eugenol sich leicht in V. umwandeln lasse. Das künstliche V. findet die ausgedehnteste Verwendung in der Chokoladenfabrikation und der Konditorei, sowie als Ersatz der viel theurern Vanille im Haushalt. Vauini (Lucilio, nach den Prozeßakten von Toulouse Pompeio Ucilio, oder, wie er sich selbst auf dem Titel seiner Schriften nannte, Julius Cäsar), ein durch sein tragisches Geschick berühmt ewordener ital. Freidenker aus der Schule des omponazzo, wurde um 1585 zu Tauresano im Königreich Neapel geboren. Er studierte zu Rom und Padua, empfing die priesterliche Weihe, durchreiste einen Teil Deutschlands und die Niederlande und hielt sich einige Zeit in Genf und in Lyon auf, wo er Unterricht gab. Von hier mußte er nach England flüchten, wo er verhaftet ward. Nach erlangter Freiheit kehrte er nach Lyon zurück, und hier gab er sein Amphitheatrum aeternae providentiaes (1615) heraus, das zwar gegen Cardanus und andere Gottesleugner gerichtet zu sein schien, aber einen wesentlich pantheistischen Standpunkt vertrat, weshalb er sich den Verdacht zuzog, selbst für Verbreitung des Atheismus wirken zu wollen. Er ging nun nach Paris, wo er 1616 De admirandis naturae reginae deaeque mortalium, arcaniso herausgab, eine aus 60 Dialogen bestehende Schrift mehr physik. Inhalts, die ihm, obschon mit Erlaubnis der Sorbonne gedruckt, wieder eine Anklage wegen Atheismus zuzog. Seit 1617 in Toulouse, wurde er auch hier des Atheismus und der Zauberei angeklagt und vom Parlament 1619 zum Feuertode verurteilt. Das ohne weitern Beweis gesprochene Urteil wurde noch an dem nämlichen Tage (19. Febr.) auf barbarische Weise vollzogen. Dieses tragische Ende hat V. berühmter gemacht als seine Schristen. lrpe (in Apologia pro J. C. V.v, 1712), Bayle und Voltaire unterzogen sich seiner Verteidigung, dagegen wurde er von Dav. Durand in dem Werke La vie et les seutiments de Lucilio V. (Rotterd. 1717) hart angegriffen. Vgl. Olearius, «De vita et fatis J. O. V.»(Jena 1708); Fuhrmann, Leben und Schicksale, Geist, Charakter und Meinungen des Lucilio V.v (Lpz. 1800); Toulan, Etude sur Luecilio V.» (Straßb. 1869); Vaisse, Lucile Vanini, sa vie, sa doctrine et sa morty (Par. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 115Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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