Varnbüler (Friedr. Gottlob Karl, Freiherr von), württemb. Staatsmann, geb. 13. Mai 1809, studierte auf den Universitäten zu Tübingen und Berlin. Nachdem er einen großen Teil Europas bereist hatte, wurde er w1833—39 Kollegialmitglied der Kreisregierung in Ludwigsburg, bewirtschaftete von 1839 an seine Güter (Hemmingen, Höfingen und Ludwigshöhe), leitete 1849 — 53 eine große Maschinenfabrik in Wien und war seit 1845 (das J. 1850 allein ausgenommen) als Vertreter der Ritterschaft des Neckarkreises Mitglied der Zweiten Kammer, in welcher er besonders in wirtschaftlichen Fragen eine hervorragende Stellung einnahm. In den Stürmen von 1848 und in der Reaktionsperiode verteidigte er entschieden den Standpunkt der Regierung und die Interessen des Adels. König Karl ernannte ihn 24. Sept. 1864 zum Minister des Auswärtigen und des Königlichen Hauses und übertrug ihm durch Verordnung vom 21. Okt. auch die Leitung der Verlehrsanstalten. V. war seitdem der leitende Staatsmann. (S. Württemberg.) Seine preußenfeindliche Politik im Sommer 1866 hatte unzweifelhaft die Sympathien des weitaus größten Teils der Bevölkerung. Am 13. Aug. schloß er in Berlin den Frieden mit Preußen ab, bei welchem auf seine Initiative die Allianzverträge und die Verlängerung des Zollvereins vereinbart wurden. In Betreff dieser Verträge begegnete er im Lande und in der Kammer der Abeordneten den heftigsten Angriffen. Nachdem auf feinen Vorschlag die Berufung eines Zollparlaments beschlossen worden war, veranlaßte das Bestreben, dessen Kompetenz über die Grenzen der Zollgesetzgebung auszudehnen, die Staatsregierung, bei den Wahlen dieser Richtung energisch entgegenzutreten, was zur Folge hatte, daß den Ultramontanen und den Demokraten ein Übergewicht verschafft wurde. Am 31. Aug. 1870 seines Ministerpostens enthoben, wurde er 1872 in den Reichstag gewählt und trat der Deutschen Reichspartei bei. Weniger an den polit. als an den nationalökonomischen Fragen sich beteiligend, war er zur Zeit der wirtschaftlichen Krisis des Deutschen Reichs ein eifriges Mitglied der schutzzöllnerischen Partei, unterzeichnete im Okt. 1878 die in diesem Sinne gehaltene Erklärung der Volkswirtschaftlichen Vereinigung des Reichstags und wurde für die 3. Jan. 1879 im Reichskanzleramt zusammentretende Zolltarifkommission vom Hanlen Bismarck zum Vorsitzenden ernannt. Sowohl in der Kommission als auch später im Reichstag entwickelte er unter steter Fühlung mit dem Reichskanzler eine erfolgreiche Thätigkeit für den Zolltarif von 1879. Die Familie V. kam in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. aus Lindau nach Württemberg. Von ihren Gliedern ragte zunächst hervor Nikolaus B., geb. zu Lindau 1519, gest. 1604, der Professor des röm. Rechts zu Tübingen war. Sein Enkel, ZJohann Konrad V., geb. 29. Dez. 1595, gest. 16. April 1657 als württemb. Geheimrat, vertrat Württemberg bei den Verhandlungen über den Westfälischen Frieden mit solchem Talent und Eifer, daß das Herzogtum, welches großenteils zur Belohnung österr. Minister und Generale bestimmt war, auch nicht die geringste Einbuße am Gebiet erlitt. Vom Kaiser wurde ihm 1650 der Adel verliehen. Außerdem ist zu erwähnen Karl V., geb. 12. Aug. 1776, gest. 27. April 1832 (Vater des Staatsministers), der sich bei den Verfassungsverhandlungen von 1815 bis 1819 als Vertreter der Ritterschaft und bei den Zollvereinsverhandlungen mit Bayern und Preußen als württemb. Finanzminister (1827—32) durch Geschäftstüchtigkeit, Einsicht und nationalen Sinn auszeichnete.