Vaueluse (Vallis clausa), Dorf mit 850 E. im franz. Depart. Vaucluse, Arrondissement Avignon, Kanton l'Isle, in einem wildromantischen Felsenthale, 24 Km östlich von Avignon, ist berühmt als Aufenthaltsort Petrarcas in den J. 1337—53, der die Reize der Umgebung in Sonetten und Briefen gefeiert hat. Nur Ikm von dem Ort entspringt zwischen enggeschlossenen, 120 mhohen, senkrechten Felsen, am Ende eines vegetationslosen Felsenthals aus einer Höhle die insbesondere durch den Dichter berühmt gewordene Sor gues, ein sonst unbedeutender Fluß, der aber gleich beim ersten Ursprung sich ungewöhnlich stark ergießt (im Mittel 20 ebm in 1 Sekunde), zu welchem unzählige Wasserrinnen herabrieseln und der nach einem Laufe von 40 km etwa 7 km oberhalb Avignon in den Rhöne fällt. Am Eingange des Dorfs hat man 20. Juli 1809 Petrarca eine Säule errichtet; die Stelle, wo sein Häuschen gestanden hat, wird gegenwärtig noch gezeigt, von diesem selbst aber ist keine Spur mehr vorhanden. Wohl aber liegen oben auf dem Felsen die Ruinen von dem Schlosse seines Freundes, des Kardinals Philipp von Cabassol, Bischofs von Cavaillon. Nach diesem Dorf ist das Departement Vaueluse genannt, welches, aus den ehemaligen provengalischen Grafschaften Avignon und Venaissin, dem Fürstentum Orange und Teilen der Provence gebildet, 1881 auf 3547,71 àkm 244 149 C., darunter etwa 5000 Reformierte, zählte, in die vier Arrondissements Avignon, Orange, Apt und Carpentras, zusammen mit 22 Kantonen und 150 Gemeinden, zerfällt und zur Hauptstadt Avignon hat. Kaum ein Viertel der Oberfläche ist eben, zum Rhönethal gehörig, das übrige ist Gebirgsland und wird erfüllt von Zweigen der Alpen, als deren äußerster hoher Vorberg hier der 1912 m hohe Mont-Ventoux mit Wallfahrtskapelle, entzückender Fernsicht und seinen verheerend niederstürzenden Winden (woher er den Namen hat) bemerkenswert ist. Bewässerung geben außer dem Rhone an der Westgrenze und der Durance an der Südgrenze mehrere kleine Flüsse und einige Kanäle. Das Klima ist gesund, der Boden je nach seiner Erhebung verschieden. In den warmen, durch die alljährlich übertretenden Flüsse gedüngten Thälern wachsen die köstlichsten Weine, Feigen, Oliven, Südfrüchte, die vortrefflichsten Obstarten und Gartengewächse, die gewürzhaftesten Kräuter; sehr sorgfältig gepflegte Maulbeerpflanzungen finden sich in ziemlich großer Ausdehnung zum Behuf der Seidenkultur. Andere Gegenden tragen nur noch Krapp, Kartoffeln und Getreide; höher gelegene nur noch Wälder und Alpenweiden, endlich geht alles in unfruchtbaren Felsen über. Die Haustiere sind von mittelmäßiger Gattung. Wild, besonders Hasen, Kaninchen und Vogelwild, sind in Menge vorhanden, auch Raubwild in dem Gebirge. An Metallen beutet man Eisen und Steinkohlen aus. Hauptnahrungszweige der Bevölkerung, die sich durch Gutmütigkeit, Ehrlichkeit, Sparsamkeit, Lebhaftigkeit und Heiterkeit, sowie durch Religiosität und Neigung zu kirchlichen Feierlichkeiten auszeichnet, sind Ackerbau, Viehzucht, Obst⸗, Oliven⸗, Weinbau, Seidenzucht, Seidenweberei, Fabriken in Metallwaren, Papier, Tuch, Leder und Produktenhandel.