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Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Veda (d. h. Wissen, Wissenschaft) nennt man im Sanskrit die alten heiligen Schriften der Inder. Dieselben bilden drei zeitlich und inhaltlich voneinander getrennte (wenn auch mehrfach ineinander übergehende) Abteilungen: die Mantras (Lieder, Sprüche u. dgl.), die Brahmanas lexegetische Schriften zu jenen, die sich auf das brahman, d. h. auf das Gebet und die Opferhandlung beziehen) und die Sutras (kurze Regeln in Form eines Leitfadens über sämtliche das derzeitige Wissen ausmachende Gegenstände). Während die beiden letztern Litteraturgattungen (s. deren Haupterscheinungen unter Sanskrit und Indische Litteratur) mehr * den Fachgelehrten von Wichtigkeit sind, ist die Nantralitteratur (der V. im engern Sinne), da sie die ältesten Produkte des ind. Geistes enthält, von allgemeinerm Interesse. Sie liegt in den sog. anhitas oder Sammlungen vor, weshalb man auch von einer Sanhitäperiode im Gegensatz zu der Brahmana⸗ und Sutraperiode redet. Wann jene Sammlungen entstanden sind, weiß man nicht, jedenfalls erst nach jahrhundertelanger mündlicher berlieferung. Man unterscheidet zunächst vier solche Sammlungen oder V.: den Rigveda (die Hymnen), den Samaveda (die Lieder), den Najurveda (die Opferformeln) und den Atharvaveda (die Zaubersprüche). Vom Qajurveda sind verschiedene Texte erhalten, welche zunächst in zwei Hauptgruppen, den schwarzen und den weißen Najurveda, zerfallen. Zum weißen gehört die Väjgsaneyi-Sanhitä, zum schwarzen die Taittiriya-Sanhita, die Maiträyani-Sanhitä und das Käthaka. Die meisten dieser Sanhitas sind bereits herausgegeben und zum Teil auch übersetzt worden, und zwar die Sanhita des Rigveda, die über 1000 Lieder, in acht Bücher verteilt, und über 10000 Strophen umfaßt, von Rosen (1. Buch mit lat. Übersetzung, Lond. 1838), M. Müller (mit den ausführlichen Scholien des Säyana, Lond. 1849 fg.; ohne dieselben, Lond. 1873; 2. Aufl. 1877) und Aufrecht (2 Bde., Berl. 1863: 2. Aufl., Bonn 1877, in lat. Umschrift); eine vollständige franz. Übersetzung gab Langlois (4 Bde., Par. 1848—52), eine englische hat Wilson begonnen (3 Bde., Lond. 1850 fg.; Bd. 4, fortgesetzt von Cowell, Lond. 1866); zwei deutsche von Ludwig (mit Einleitung und Kommentar, 5 Bde., Prag 1876 -82) und Graßmann (2Bde., Lpz. 1876—77), der auch ein treffliches ⸗Wörterbuch zum Rigveda» (Lpz. 1873—75) herausgab. Die Sanhitä des Sämaveda, welche nur eine Anthologie aus den Liedern des Rigveda ist und zu dem bestimmten Zweck, die heilige Opferhandlung des Somaopfers durch alle Stadien zu begleiten, veranstaltet wurde, gab Benfey mit deutscher Übersetzung heraus (Lpz. 1848), und mit dem Kommentar des Säyana edierte sie Satyavrata Sämäcramin (5 Bde., Kalk. 1871 fg.). Die Väjasaneyi-Sanhita, die hauptsächlich Opfersprüche und Gebete teils in rhythmischer Form, teils in Prosa enthält, machte Weber bekannt (Berl. 1849 — 52); desgleichen Satyavrata Sämagramin (Kalk. 1879), die Taittiriya-Sanhitä Weber (2 Bde., Lpz.1871 — 72); eine Ausgabe der letztern mit dem Kommentar des Säyana ist in der 4Bibliotheca Indica o (Kalk. 1854) durch Roer begonnen und durch andere fortgesetzt worden, aber noch nicht beendet. Die Maiträyani-Sanhitä gibt Leopold von Schröder heraus (Buch 1—3, Lpz. 1881—85). Die Sanhita des Atharvaveda, jünger als die vorhergehenden, bildet eine reiche Liedersammlung des mannigfaltigsten religiösen Inhalts und wurde 55, ubersezt von Roth und Whitney (Berl. 1855). Übersetzt sind einzelne Hymnen von Ludwig in seiner Rigveda-Üübersetzung, von Weber in den Ind. Studienv, von Muir in den «Original Sanskrit Textsv, von Zimmer in seinem »Altind. Lebenv, und besonders von Grill, «Hundert Lieder des Atharvaveda, übersetzt und mit Bemerkungen versehen» (Tüb. 1879). Für die europ. Wissenschaft ist von höchster Bedeutung der Rigveda, der V. r sSVv, aufwelchem sich seit Jahrzehnten die Hauptthätigkeit der Indologen konzentriert. Seine ältesten Lieder gehen in eine sehr frühe Zeit, jedenfalls in das 2. Jahrtausend v. Chr. zurück und sind darum die ersten schriftlichen Denkmäler nicht nur des indischen, sondern des indogerman. Geistes. Deshalb bilden sie die wichtigste Grundlage für die im Anschluß an das Studium des Sanskrit entstandenen Wissenschaften der vergleichenden Linguistik, Mythologie u. s. w., wenn sie auch vielleicht in Bezug auf Tiefe und Schönheit eine Zeit überschätzt worden sind. Vgl. Adolf Kägi,«Der Rigvedav (Lpz. 1881). Trefflich zur Einführung geeignet sind die «Siebzig Lieder des Rigvedar (übersetzt von Karl Geldner und Adolf Kägi. Tüb. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 133Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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