FeedVendöme (Louis Joseph, Herzog von)
GeschichteBrockhaus 1882

Vendöme (Louis Joseph, Herzog von), General Ludwigs XIV. im Spanischen Erbfolgekriege, war der Enkel des Herzogs Cäsar von V., eines natürlichen Sohnes des Königs Heinrich IV. und der Gabriele d'Estréees. Er wurde 1. Juli 1654 zu Paris geboren, führte vor des Vaters Tode den Titel eines Herzogs von Penthievre und begann 1672 seine kriegerische Laufbahn unter Turenne. Seitdem focht er mit großer Auszeichnung in allen Cieg bei2 und half namentlich 1693 Catinat den ieg bei Marsaglia erringen. Im & 1696 unternahm er als Oberbefehlshaber in Catalonien die Belagerung von Barcelona, das der Prinz von Hessen-Darmstadt verteidigte, schlug die Spanier, die zum Entsatz herbeieilten, und zwang den Platz 10. Aug. 1697 zur übergabe. Beim Ausbruch des Spanischen Erbfolgekriegs, nachdem der unfähige Villeroi zu Cremona gefangen worden, übernahm V. den Oberbefehl über die Armee in Italien. Er lieferte 15. Aug. 1702 dem Prinzen . bei Luzzara ein heftiges, jedoch unentschiedenes Treffen, und drang im Frühjahr 1703 durch Tirol nach Deutschland vor, um sich mit dem Kurfürsten von Bayern zu vereinigen. Der Ean wurde er durch den tapfern Widerstand der Tiroler aufgehalten und kam nur bis Trient. Im Herbst 1703 entwaffnete er die Truppen des von Frankreich abgefallenen Herzogs von Savoyen, nahm verschiedene feste Plätze in Piemont und begann die Belagerung von Turin. Im Frühjahr 1706 benutzte er die Abwesenheit des Prinzen Eugen, der nach Wien gegangen, griff die Osterreicher im April unter Reventlow bei Caleinato an und trieb sie über die Etsch. Mitten in diesen Erfolgen wurde er nach den Niederlanden gerufen, wo er abermals die Niederlage Villerois bei Ramillies ausgleichen sollte. Nachdem er den brit. General Marlborough längere Zeit durch Märsche hingehalten, gab ihm der König für den Feldzug von 1708 den Unterbefehl des 80000 Mann starken Heeres, welches der Herzog von Bourgogne anführte. Mit letzterm in lihelligleiten verwickelt, eroberte er zwar Gent, Brügge und Plassendal, wurde aber 11. Juli vor Oudenaarde nach Hussel den Gefecht geschlagen und mußte auch lyssel den Verbündeten überlassen. V., der überdies die mächtige Maintenon zur Feindin hatte, verlor sein Kommando und blieb zwei Jahre in Unthätigkeit. Als jedoch gegen den Herbst 1710 die 11„ 4 Sache in Spanien in den tiefsten Verfall geriet, schickte ihn Ludwig XIV. mit bedeutenden Verstärkungen über die Pyrenäen. Wiewohl von Alter und Krankheit gebrochen, entfaltete er ungemeine Thätigkeit. Er führte Philipp V. nach Madrid zurück, wendete sich dann gegen die Ssterreicher und schlug den General Starhemberg 10. Dez. 1710 bei Villa-Viciosa. Alle Eroberungen, welche die Verbündeten in Spanien gemacht, gingen durch diesen Sieg wieder verloren. V. überlebte dieses glücklichste Ereignis seines Lebens nur kurze Zeit. Er starb zu Vifaroz in Catalonien 15. Juni 1712. Philipp V. von Spanien ließ seine Leiche im Escorial beisetzen. Da er ohne Erben starb, fiel das Herzogtum Vendöme an die Krone zurück. Vgl. Le — de 5 en (In, d (Par. 1823). enedey (Jak.), deutscher Schriftsteller und Publizist, geb. 24. Mai 1805 zu Köln, studierte zu Bonn und Heidelberg die Rechte und beschäftigte sich dann praktisch bei seinem Vater, einem Advokaten in Köln, bis ihn 1832 polit. Konflikte, die er sich wegen einer Schrift Küber Geschworenengerichtes (Köln 1832) zuzog, nötigten, Preußen zu verlassen. Als Beteiligter am Hambacher Feste ward er im Herbst 1832 zu Mannheim verhaftet, entwich aber aus dem Gefängnis zu Frankenthal und gelangte nach Frankreich. Hier lebte V. zu Straßburg, Nancy und Paris, wo er 1835 die Monatsschrift «Der Geächteter herausgab, was seine Verweisung nach Havre zur Folge hatte. Nachdem er nach Paris zurückgekehrt, lebte er hier zwei Jahre, bis er 1837 abermals nach Havre verwiesen wurde. Infolge des günstigen Urteils, welches die pariser Akademie über eine von V. ausgearbeitete Schrift fällte, die später deutsch unter dem Titel »Römertum, Christentum, Germanentum» (Frankf. 1840) erschien, wirkten ihm Arago und Mignet die Erlaubnis aus, fortan ungestört in Paris leben zu dürfen. Nach der Februarrevolution wendete er sich wieder nach Deutschland, kämpfte im Vorparlament gegen die Sonderbestrebungen Heckers und ward auch als Kommissar nach dem Oberlande gesandt, um den Heckerschen Aufstand zu hintertreiben. Im Fünfziger-Ausschuß wie in der Nationalversammlung, in welche er in Hessen-Homburg gewählt wurde, gehörte er zu den Führern der Linken und dann auch dem Rumpfparlament in Stuttgart an. Von Berlin und Breslau Maebung hi lebte er nun in Bonn und dessen Umgebung, bis er im Herbst 1853 nach Zürich übersiedelte, wo er sich an der Universität als Docent der Geschichte habilitierte. Im J. 1855 kehrte er wieder nach Deutschland zurück. Nachdem er mehrere Jahre in Heidelberg gelebt, ließ er sich 1857 zu Oberweiler bei Badenweiler nieder. In öffentlichen Reden und Flugschriften bekämpfte er die apreuß. Spitzer und blieb dieser Richtung auch nach den Ereignissen des J. 1866 treu. Seit 1869 lebte er erst in Berlin, dann in Oberweiler, wo er 8. Febr. 1871 starb. Von seinen Schriften sind noch besonders hervorzuheben: «Reise⸗ und Rasttage in der Normandien (2 Bde., Lpz. 1838), „Die Preußen und das Preußentum» (Frankf. 1839), „La France, P'Allemagne et la Sainte-Alliance (Par. 1842), »Die Deutschen und Franzosen in Sprache und Sprichworto (Frankf. 1843), »John Hampden» (Bellevue 1843), «England o (3 Bde., ar5. 1845), „Irland » (2 Bde., Lpz. 1844), „Das südl. Frankreichh (2 Bde., Frankf. 1846), Vierzehn Tage Heimatslufto (Lpz. 1847), „Schleswig-Holstein im J. 185⁵50⁰⁵ (c 1850), Geschichte des deutschen Volks⸗ (4 Bde., Berl. 1854—-62), 356. Berd. 1 Montesquieu und Rousseau» (2 Bde., Berl. 1846—50), „Friedrich d. Gr. und Voltaire (Lpz. 1859), Bioraphien von burg f. De. (Freiburg i. Br. 1862), Frantlin (Freiburg i. Br. 1863) und Stein (Iserlohn 1868), „Die deutschen Republikaner unter der franz. Republiko (Lpz. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 147Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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