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ErdkundeBrockhaus 1882

Vendome, eine alte Grafschaft in Frankreich, die von der gleichbenannten Stadt im Depart. Loiret-Cher den Namen empfing und von Franz I. zu Gunsten Karls von Bourbon zum Pairieherzogtum erhoben wurde. Als Heinrich IV „der Enkel dieses Bourbon, den franz. Thron bestieg, vereinigte er V. mit der Krone, gab es aber nachher einem seiner natürlichen Söhne, welcher hiermit der Stifter des Hauses Vendöme wurde. Cäsar, Herzog von V., ältester Sohn Heinrichs IV. von Gabrielle d Estrées (s. d.), wurde Juni 1594 geboren. Solange der König keinen ehelichen Sohn besaß, zeichnete er den Knaben aus und verlobte den Vierjährigen mit der Erbtochter des reichen Herzogs von Mercoeur, der dem künftigen Schwiegersohne zugleich das Gouvernement von Bretagne abtrat. Während der Minderjährigkeit seines Halbbruders, Ludwigs XIII., ließ sich V. in die Intriguen ein, welche Staat und Aristokratie Frankreichs spalteten und saß wiederholt in Haft. Im J. 1626 in das gegen Richelieu gerichtete Komplott von 25185 verwickelt, wurde er mit seinem Bruder Alexander, Großprior des Malteserordens in Frankreich, nach Vincennes gesetzt. Als sein Bruder 1629 daselbst gestorben, erbat er sich die Freiheit und ging nach Holland. Zwar gestattete ihm der Hof einige Jahre später die Rückkehr, doch, 1641 abermals der Verschwörung bezichtigt, floh V. nach England; Richelieu ließ ihn zum Tode verurteilen. Erst nach dessen Tode kam er urch, Nachde zurück und setzte seine Freisprechung durch. Nach dem Tode Ludwigs XIII. gelangte V. bei der Regentin Anna von Stterreich u Ansehen. Da er sich aber in die Komplotte gegen en Hof und Mazarin einließ, mußte er beim Ausbruche der Frondeunruhen wieder aus Frankreich weichen. Im J. 1650 erlaubte ihm Mazarin die Rückkehr und suchte ihn durch Geld zu gewinnen. B. blieb seitdem dem Hofe treu, nahm 1653 den Frondeurs Bordeaux und schlug als Großadmiral von Frankreich noch 1655 die span. Flotte vor Barcelona. Er starb 22. Okt. 1665. Sein zweiter Sohn, rangois de V., Herzog von Beaufort, pielte in den Unruhen der Gronde den Volksfreund, erhielt deshalb den Namen Roi des halles und fiel 1669 gegen die Türken. Louis, Herzog von V., ältester Sohn Cäsars, wurde 1612 1anes und führte vor des Vaters Tode den Titel eines Herzogs von Mercoeur. 2 den Kriegen Ludwigs XIII. diente er nicht ohne uszeichnung, mußte aber bei der Flucht seines Vaters nach England die Armee verlassen. Mazarin machte ihn 1649 zum Vizekönig des eroberten Catalonien. Zwei Jahre später heiratete er Laura Mancini, eine Nichte Mazarins. Nach deren Tode trat er 1656 in den geistlichen Stand und erhielt 1667 den Kardinalshut, sowie die Würde eines „ Kug. a latere am franz. Hofe. V. starb zu Aix 6. Aug. 1669. Sein ältester Sohn, Louis Joseph, Herzog von Vendöme (s. d.), machte sich berühmt als Feldherr Ludwigs XIV. im Spanischen Erbfolgekriege. — Philipp de V., der jüngere Sohn des Kardinals, bekannt als Großprior des Malteserordens in Frankreich, geb. 23. Aug. 1655, trat früh in den rden und kämpfte in den Kriegen Ludwigs XIV. in den Niederlanden, am Rhein, seit 1693 als Generallieutenant in Italien und Spanien mit großer Auszeichnung. Während sein Bruder, der Herzog von V., im Winter 1705 die festen Plätze Piemonts eroberte, erhielt er den Befehl in der Lombardei. Er drängte die Kaiserlichen aus Mantua und schlug dieselben 31. Jan. 1705 bei Castiglione. Als sein Bruder 16. Aug. dem Prinzen Eugen das Treffen bei Cassano lieferte, kam er, weil nicht gerufen, der Instruktion gemäß nicht herbei. Deswegen sene delte Ludwig XIV. ihn hart und nahm ihm seine Würden und Einkünfte. V. ging nach Rom und lebte hier vier Jahre in Dürftigkeit. Mit des Königs Erlaubnis wollte er 1710 durch die Schweiz nach Frankreich zurückkehren, wurde in Chur infolge österr. Nachstellungen festgehalten, 1714 entlassen und erhielt, heimgekehrt, das moie. un zurück. Er machte seinen Palat, den Temple, zum Sammelplatz einer geistreichen Gesellschaft. Mit seinem Tode (24. Jan. 1727) erlosch das Geschlecht. Vendöme, Hauptstadt eines Arrondissements im franz. Depart. Loir-et-Cher, am Loir, welcher sich hier in mehrere Arme teilt, Station der Linie Paris-Tours der Orléansbahn und der Staatslch vond Blois-Pont de Braye, 32 km nordwestlich von Blois, hat ein Lyceum, eine Bibliothek von 8000 Bänden, lebhafte Industrie, besonders in Leder, Handschuhen, Baumwollwaren, Spargelbau, und woiit (1881) 9420 E. Während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870,71 fanden in der Umgegend von V. mehrere Gefechte zwischen der franz. Loire-Armee unter Chanzy und dem 10. preuß. Armeekorps unter General von Voigts-Rhetz statt, zunächst 15. Dez. 1870 bei Morée, worauf V. 16. Dez. von den Franzosen geräumt und von den Deutschen besetzt wurde; bei der Verfolgung der Franzosen kam es 17. Dez. bei dem 17 km entfernten Dorfe Epuisay 9115 zu einem heftigen Gefecht. Am 31. Dez. wurde die 20. Division bei V. von überlegenen franz. Streitkräften angegriffen, wies jedoch den Angriff siegreich zurück.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 147Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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