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ErdkundeBrockhaus 1882

Vereinigte Staaten von Amerika (Unitell States of America), oft auch bloß Vereinigte Staaten, bisweilen, namentlich in Deutschland, irrtümlich Vereinigte Staaten von Nordamerika genannt, bilden in räumlicher Beziehung die größte Republik, welche die Geschichte kennt. Fel Gebiet nimmt die ganze Breite des nordamerik. estlandes ein zwischen dem 24. 30 und dem 49.“ nördl. Br. und 66. 50“ und 124.“ 31 westl. L. (von Greenwich). Es wird begrenzt im N. von den brit. Besitzungen, im O. vom Atlantischen Ocean, im S. vom Golf von Mexiko und der Republik Mexiko und im W. vom Stillen Ocean. Der Flächeninhalt beträgt 9212270 qkm. Das dem Osten wie dem Westen der Alten Welt zugekehrte Land hat keine mannigfaltige Küstengliederung. Das Gestade ist überall ein offenes; größere vorliegende Eilande fehlen gänzlich, und Florida bildet die einzige beträchtliche Halbinsel. Eine zweite kleinere liegt zwischen der Delaware⸗ und Chesapeakebai. Im nordöstl. Teile, im Staate Maine, ist die Küste vielfach tief eingezackt, ähnlich wie in Norwegen. Von den am weitesten ausspringenden Vorgebirgen sind zu nennen: das Kap Cod in Massachusetts; Charles und Henry in Virginien; Kap Hatteras in Nordcarolina unter 35 14½“ nördl. Br., das eine bemerkenswerte Sturm⸗ und Wetterscheide bildet; Kap Sable in Florida; am Großen Ocean die Kaps Mendocino, Disappointment und Flattery. Der nördl. Teil der atlantischen Küste hat viele ins Land eindringende Buchten und Sunde und ist reich an Wi vortrefflichen Häfen bis nach Virginien. Weiter nach Süden hin, in Nordcarolina, liegen mehrfach vor den Einbuchtungen längliche Strandinseln, welche Haffe bilden. Dergleichen laufen insbesondere vor der Küste von Texas entlang und Barde nur schmale Einfahrten über ziemlich seichte Barren. Am Stillen Ocean fehlen tiefe Einbuchtungen gänzlich, mit Ausnahme der herrlichen Bai von San-Francisco, dem Pugetsunde und dem neu erworbenen Sitka oder Neuarchangel. Dieser nicht sehr mannigfaltigen Küstengliederung gegenüber ist die ungemein reiche innere Bewässerung in einem großen Teile des Landes hervorzuheben. Die Gebirgsketten Nordamerikas haben eine wesentlich meridionale Richtung. Für den ganzen östl. Teil der Vereinigten Staaten erscheint die majestätische Ausdehnung seiner Ströme neben einer geringen Höhe seiner Gebirgszüge charakteristisch, die zudem nirgends ein Massengebirge bilden. Dagegen fehlt der westlichen, allerdings kleinern Abteilung jenseit der Felsengebirge jene Fülle von Binnengewässern; sie hat aber mächtige Alpengebirge und ausgedehnte Hochebenen von mehr als 1200 m. Ihrer Bodengestaltung nach kann man die Vereinigten Staaten in drei große Abteilungen sondern, nämlich in die östliche, mittlere und westliche. Die erstere ist atlantisches Küstenland, welches in seinem nördl. Teile von plateauartigen Teilen des akadischen oder nordalleghanischen Gebirgssystems durchzogen wird. Dieses reicht südlich bis zum Hudson und wird auch Neuengländisches Gebirge genannt. Die südl. Fortsetzung, das Alleghany⸗ oder Appalachengebirge (s. Appalachen), reicht nach Südwesten hin bis an die Nordgrenze des Staates Alabama. Dieses ganze Gebirgssystem tritt auf seinem langen Zuge immer näher an die Küsten heran, je weiter es nach Nordosten läuft. Seine mittlere Kammhöhe beträgt etwa 800 m. Oft streicht es in drei bis sechs Ketten nebeneinander, die viele fruchtbare Thäler und Hochflächen bilden. In den Black-Mountains in Nordcarolina erreicht es eine Höhe von 1980 m. Fast ebenso hoch gipfeln die Grünen Berge in Vermont und die Weißen Berge in Neuhampshire. Von dem alleghanischen Gebirgssystem erhält der Atlantische Ocean eine große Menge größerer und kleinerer Zuflüsse, so z. B. in den nordöstl. Staaten den Passamaquoddy, Penobscot, Kennebec und Connecticut; den Hudson, Hauptstrom des Staates Neuyork; den Delaware, welcher den Lehigh und Schuylkill aufnimmt und in die nach ihm benannte Bai mündet; den Susquehannah, Hauptstrom Pennsylvaniens, der in die Chesapeakebai fließt, gleich dem Patuxent und dem Potomac in Maryland. Der James mündet in Virginien, der Roanoke fällt in den Albemarlesund, Neuse und Pamlico fließen dem Pamlicosunde zu. Der Savannah bildet die Grenze zwischen Südcarolina und Georgien. Aus Florida empfängt der Atlantische Ocean den St.⸗Johns. Im Norden der Alleghanies oder vielmehr ihrer nordöstl. Abteilung, der Akadischen Gebirge, liegt das Wassersystem des Lorenzstroms (. d.), welcher den sog. Canadischen Seen (s. d.) zum Abzuge dient. Von diesen ist nur der Michigan ganz im Gebiete der Vereinigten Staaten; die übrigen werden zugleich von Canada begrenzt. Der Champlainsee zwischen den Staaten Neuyork und Vermont hat vermittelst des Sorelflusses gleichfalls seinen Abzug in den St. Lorenz. Im Süden der Alleghanies fließen dem Mexikanischen Meerbusen mehrere beträchtliche Ströme zu. So der Appallachicola, der aus dem Chattohoochee und Flint gebildet wird und in Florida mündet; der Mobile, der durch den Zusammenfluß des Alabama und Tombighby entsteht und in die nach ihm benannte Bai mündet. Die mittlere Abteilung wird von der Ebene oder dem Becken des Mississippi (s. d.) gebildet, das östlich von den Alleghanies, westlich von den Felsengebirgen begrenzt wird. Der große Strom, welcher ohne Unterbrechung vom Mexikanischen Meerbusen bis zu den St. Antonswasserfällen in Minnesota hinauf schiffbar ist, bildet die Hauptpulsader für den Verkehr im Westen und durchströmt ein ungemein fruchtbares Land. Seine bedeutendsten Zuflüsse sind auf dem rechten Ufer der Desmoines, Missouri und Arkansas; auf der linken Seite der Rock, Illinois und Ohio. „Auf der Westseite des Mississippi, im südl. Teile, liegt eine Hügelregion mit den Ozarkbergen, den Washitaihügeln und den Black-Hills im Norden des rkansas. Diese Berge erreichen die Höhe von 500 menicht. Außer dem Stromgebiete des Missssippi gehören dieser Ebene noch die Becken anderer Flüsse an, die gleichfalls in den Mexikanischen Meerbusen münden. Die texanischen Ströme kommen meist vom Südrande eines Tafellandes herab, das sich durch Dürre und Unfruchtbarkeit auszeichnet und von welchem die sog. abgepfählte Ebene eine Fortsetzung nach Norden bildet. Am südl. Rande dieses Tafellandes liegen die Quellen des Brazos, Trinidad, des texan. Colorado, Guadelupe, Nueces u. a. Der Rio Grande del Norte (s. Norte), welcher die Grenze zwischen Teras und Mexiko bildet, hat seine Quellen in den Felsengebirgen zwischen 38 und 39 nördl. Br., 106 und 107 westl. L. in einer Gegend, in welcher auch der Arkansas und der westl. Colorado entspringen. Er empfängt nur wenige Zuflüsse, unter welchen der 21. oder Puercos der bedeutendste ist. Westlich vom Rio Grande ist das ganze Land nach Westen hin bis zum Großen Ocean zum bei weitem größten Teile Wüstenei, in welcher der Rio Gila gegen Süden die Grenze der Vereinigten Staaten bildet. Weiter nördlich, zwischen den Felsengebirgen und dem Mississippi, vom Saskatschewauflusse im Norden bis nach Texas hinein gegen Süden, dehnt sich das Prairieland aus, eine große Ebene mit vereinzelten Bodenanschwellungen und rauhem, durchbrochenem Hügellande, zum Teil sehr fruchtbar, zum Teil sandige Einöde. Nach Westen hin wird das Stromsystem des Mississippi durch die Felsengebirge begrenzt, die einen Teil der großen, ganz Amerika durchziehenden Cordilleras (s. d.) bilden. Westen derselben erheben sich die Seealpen, auch wohl das Schneegebirge oder Sierra Nevada genannt. Sie veichen im Gebiete der Vereinigten Staaten von der Südgrenze Californiens bis zum Pugetsunde im Gebiete Washington. Man betrachtet sie gewöhnlich als einen Teil des großen Gebirgssystems der Cordilleren, da sie mit demselben durch

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 174Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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