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Bildende KunstBrockhaus 1882

Vernet, der Name einer franz. Malerfamilie, deren Stammvater Antoine V. (geb. 31. Juli 1689 in Avignon, gest. daselbst 10. Dez. 1753) Tragsessel und Kutschen mit Wappen verzierte und nebenbei auch Zimmer ausmalte. Sein Sohn und Schüler Claude Joseph, genannt Joseph V., berühmter Landschafts⸗ und Marinemaler, geb. 14. Aug. 1714 zu Avignon, ging 1731 zu dem ältern Viali, Vedutenmaler in NÄir, und von da nach Rom, wo die in Salvator Rosas Manier behandelten Landschaften, die er im Palast Rondarini und in der Galerie Farnese ausführte, ihn zuerst bekannt machten. Bald waren seine Seestürme, seine Ansichten der ruhigen See oder des Binnenlandes bei verschiedener Beleuchtung sehr gesucht. Obschon zu Rom in glänzenden Verhältnissen lebend, ließ er sich doch bewegen, 1753 nach Paris zurückzukehren, wo ihn die Akademie zu ihrem Mitgliede ernannte. Darauf wurde er vom König beauftragt, eine Reihenfolge von Ansichten der beer ten franz. Seehäfen zu malen, welche Aufgabe er binnen neun Jahren ausführte. Seine Werke wurden vielfach gestochen. V. weiß seine Ansichten einfach und glücklich aus der Natur aufzufassen, oder er gibt geschmackvoll und malerisch gedachte Kompositionen mit leichtem Vortrage wieder, der anfänglich breit und kräftig, nachher sauber und sorgsam verschmolzen, zuletzt aber öfters platt und dekorationsmäßig ist. Die vielen Figuren, die er als Staffage anbringt, verleihen seinen Landschaften und Seestücken besonderes Interesse. Er starb zu Paris 3. Dez. 1789. Vgl. Lagrange, Joseph V. et la peinture au XVIIIé siècles (Par. 1864). Sein Sohn Antoine Charles Horace, genannt Carle V., geb. 14. Aug. 1758 zu Bordeaur, wurde bei dem pariser Akademiker Lepicie in die Lehre gethan und erhielt 1782 den ersten Preis der Historienmalerei, mit welchem zugleich ein fünfjähriges Stipendium und die Sendung nach Rom verbunden war. Ebenso sehr eleganter Weltmann als Maler, fühlte er sich in Italien nicht heimisch. Nachdem er 1787 nach Paris zurückgekehrt, erfolgte 1789 seine Aufnahme in die Akademie. Für den Salon lieferte er 1791 ein großes Gemä de, den Triumph des Paulus Ämilius vorstellend, in dem er, auf Grund seiner Studien in den Marställen und Reitschulen, mit der Tradition brach, die bisher nur Pferde von starkem Schlage und allzu oft von konventionellen Formen zuließ. Von dem Gange der Ereignisse in der Schreckenszeit schwer getroffen, verfiel er in Trübsinn und Unthätigkeit, bis ihn die unter dem Direktorium und Konsulat zurückkehrende Ruhe wieder zu künstlerischem Schaffen antrieb. Seine zahlreichen, für die franz. Sitten⸗ und Nodengeschichte merkwürdigen Karikaturen, seine Zeichnungen aus den ital. Feldzügen, endlich sein kolossales Gemälde der Schlacht von Marengo (1806) und das Gegenstück dazu, die Schlacht bei Austerlitz (1808), erwarben ihm großen Ruf und Beifall. Unter der Restauration verfertigte er, außer Jagden, Pferderennen, kleinern Schlachtenbildern, Pferdestücken u. s. w., zahlreiche Lithographien, die noch gesucht werden. Er starb zu Paris 17. Nov. 1835.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 217Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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