Versailles, vormals die Bau 18l Königsresidenz in Curopa, war von März 1871 bis Ende Juli 1879 (Gesetz vom 22. Juli 1879) erst faktisch, dann gesetzlich (Konstitution vom endewa 1875), Sitz des Präsidenten der Französischen Republik, der Deputiertenkammer und des Senats. Seitdem die Regierung wieder ihren Sitz in Paris hat, ist V. nur noch Hauptort des Depart. Seine-Oise. Es liegt 18 Km südwestlich von Paris, mit dem es zwei Linien der Westbahn verbinden, die über V. nach Brest führt, und zählt (1881) 48 324 E. Am Ende des 16. Jahrh. war V. ein kleines Dorf in einem Walde, wo der König von Navarra, später Heinrich IV., bisweilen zu jagen pflegte. Eben dazu wurde dieser Wald auch von Ludwig XIII. gebraucht, der hier zuerst ein Jagdhaus, sodann ein Jagdschloß bauen ließ. Ludwig XIV., des Aufent-Wle in St.⸗Germain überdrüssig, faßte 1660 den lan, jenes Jagdschloß in ein Residenzschloß zu verwandeln. Der Architekt Leveau wurde mit der Ausführung beauftragt und bereits 1664 waren die beiden Seitenflügel, welche den sog. Marmorhof einschließen, so weit vollendet, daß Ludwig XIV. daselbst glänzende Hoffeste geben konnte. Bald darauf erhoben sich nacheinander die drei Hauptebäude, welche die Fronte nach der Gartenseite hin bilden. Gleichzeitig wurde der Schloßgarten nach Le Nötres Entwürfen angelegt. Im Febr. 1672 schlug Ludwig XIV. seine Residenz in V. auf. Indes dauerten die Arbeiten fort und wurden seit dem Tode Leveaus von Jules Hardouin Mansard, dem Neffen des berühmten Mansard, geleitet. Mehrere Nebengebäude kamen hinzu, namentlich das Grand-Commun für die Hofdienerschaft, die Marställe, die Treibhäuser u. s. w. Der Bau der Schloßkapelle wurde erst 1690 begonnen und vor 1710 nicht vollendet. Leute, die Häuser in der Nachbarschaft anbauen wollten, erhielten allen möglichen Vorschub, und allmählich erhob sich um die königl. Residenz eine zierliche und ansehnliche Stadt. Unter Ludwig XV. wurde der nach Gabriels Rissen angefangene Schauspielsaal am Ende des nördl. Schloßflügels von Leroy ausgebaut und bei Gelegenheit der Verheiratung des Dauphin, Ludwigs XVI., eingeweiht. Während der Revolution blieb das Schloß in V. dem Verfall preis-Teldes Zur Zeit des Direktoriums diente ein eil desselben als Sukkursale des Invalidenhauses, ein anderer als Lokal einer Gemäldesammlung. Napoleon I. beschränkte sich darauf, den Palast und Park wieder in leidlichen Stand zu setzen. Ludwig XVIII. begnügte sich mit Ausbesserungen und Umänderungen. Ludwig Philipp ließ 1833 —37 das Innere des Schlosses wiederherstellen und den größten Teil desselben zu einem histor. Nationalmuseum einrichten, welches die Geschichte Frankreichs von den ältesten Zeiten der Monarchie bis auf die Gegenwart in Bildern und Bildwerken zur Anschauung bringt. Die in verschiedenen Stilen erbaute Fronte gegen die Stadt macht keinen sonderlichen Eindruck. Um so 1h ähne cn ist die Seite gegen den Park. Obgleich ihre Einförmigkeit und Regelmäßigkeit bei einer so ungeheuern Ausdehnungetwas Ermüdendes hat, wirkt sie doch durch ihre prunkvolle Masse. In demselben Geschmack ist auch die innere Einrichtung durchgeführt, welche überall den Eindruck des Reichen, Glänzenden und Pomphaften hervorbringt. Die große Galerie, Galerie des glaces, ist eine in ihrer Art einzige Prachthalle. Dieselbe läuft auf der Gartenseite in dem mittelsten Hauptgebäude * ebener Erde der ganzen Länge nach hin und ringt noch jetzt mit ihren Deckengemälden, Spiegeln, Säulen, Pilastern, Vergoldungen und Marmorbekleidungen die imposanteste Wirkung hervor. Nächst dieser Galerie erregt besonders der Herculessaal Bewunderung. Die neuerdings wiederherestellte Schloßkapelle, das letzte Werk des jüngern Mansard, ist überreich an Marmor, Goldbronze, Fresken u. s. w. Während sich Lebrun, Jouvenet, Lafosse, Noél Coypel, Mignard u. a. durch die Deckenbilder in den innern Schloßräumen als Maler verewigten, setzten sich dagegen Coysevox, Girardon, die Gebrüder Coustou, Legros, Tuby, Marsy u. a. als Bildhauer, die Gebrüder Keller, Aubry und Roger als Erzgießer würdige Denkmale durch die Bild⸗ und Gußwerke, die im Garten aufgestellt sind. Ein großer Teil derselben gehört zu den daselbst befindlichen Wasserwerken, die noch jetzt an gewissen Tagen im Sommer spielen. Der Park ist ein Meisterwerk der Gartenbaukunst und von ganz besonderm Reiz durch die schöne Harmonie, in welche er vermittelst eines darin durchwaltenden architektonischen Gesetzes zu den baulichen Umgebungen gebracht worden ist. In regelmäßige Felder abgeteilt und auch so bepflanzt, dabei aber große und freie Partien enthaltend, wozu die reiche Vegetation in den tiefern Gründen trefflich benutzt ward, macht er mit seinen Blumenbeeten, Rasenteppichen, Sandwegen und Baumgängen, Springbrunnen und zahlreichen Bildwerken den Eindruck, den Natur und Geschmacksbildung in glücklicher Durchdringung bewirken. Dieser, der ehemaligen feinen Hofsitte angemessene Charakter ist unverwüstet geblieben, obgleich ein Teil der ursprünglichen Gartenanlagen abgerissen und ausgerottet worden. In V. wurden 1. Mai 1756 die Verträge zwischen Frankreich und Osterreich unterzeichnet, welche den iebenjährigen Krieg zur Folge hatten, auch wurde zu V. 30. Nov. 1782 der Präliminarfriede und 3. Sept. 1783 der Definitivfriede Englands mit Nordamerika und Frankreich geschlossen. Im Deutsch-Französischen Kriege von 1870 — 71 wurde V. 18. Sept. 1870 von den Deutschen besetzt und blieb dann der Mittelpunkt der Operationen der deutschen Armee. König Wilhelm traf 5. Okt. hier ein und nahm sein Hauptquartier in der Präfektur. Das Schloß diente als Lazarett. Durch die hier geschlossenen Verträge des Norddeutschen Bundes mit Baden und Hessen (15. Nov.), Bayern (23. Nov.) und Württemberg (25. Nov.) wurde das neue Deutsche Kaiserreich gegründet, das am 18. Jan. 1871 im Schlosse zu V. in der oben erwähnten prachtvollen Galerie des glaces proklamiert wurde. Nach längern Verhandlungen zwischen dem Grafen Bismarck einerseits und Thiers und Jules Favre andererseits wurden hier die Friedenspräliminarien (Versailler Präliminarfriede) 24. Febr. sestgesetzt und 26. Febr. 1871 von den Genannten und den Vertretern der vier süddeutschen Staaten unterzeichnet (s. Deutsch-Französischer Krieg von 1870 und 1871), welche dann 10. Mai 1871 im Definitivfrieden von Frankfurt a. M. im wesentlichen bestätigt wurden. Am 12. März räumten die deutschen Truppen die Stadt, welche nunmehr Sitz der Regierung des Präsidenten Thiers und der franz. Nationalversammlung, sowie Hauptquartier der Armee von V. unter dem Marschall Mac-Mahon während der Zeit der Commune wurde. Von B. aus erfolgte dann der Kampf Radt. Paris (s. d.) und die Einnahme der Haupttadt, und V. blieb auch nach der Rückkehr geordneter Zustände der Sitz des Präsidenten der franz. Republik und der beiden Kammern, bis derselbe im Herbst 1879 nach Paris zurückverlegt wurde. Vgl. Eckard, «Recherches historiques sur V. v (Par. 1836); Laborde, «V. ancien et modernev (Par. 1839); Gavard, 4«Galeries historiques de V.v (13 Bde., in Fol., Par. 1835—44, Prachtwerk mit Kupfern; Supplement dazu 6Bde., 1847 —49); Boudin, «Histoire généalogique du musée des croisades, palais de V.v (4 Bde., Par. 1858—66).