FeedThalberg (Sigismund)
GeschichteBrockhaus 1882

Thalberg (Sigismund), berühmter Klaviervirtuose, geb. zu Genf 7. Jan. 1812 als natürlicher Sohn des 8. Juli 1854 verstorbenen Fürsten Franz Joseph von Dietrichstein, erhielt in Wien den ersten Klavierunterricht und erregte bereits als Knabe Aufsehen durch sein Klavierspiel. Musiktheoretische Studien machte er bei Simon Sechter und seine ersten Kompositionen erschienen in seinem 16. Lebensjahre im Druck. Seine erste Kunstreise in Deutschland unternahm er 1830 und ging Ende 1835 nach Paris, wo er neben Liszt seinen Ruhm begründete, kehrte 1837 nach Wien zurück, begab sich dann auf Reisen in Deutschland, England, den Niederlanden, Rußland und Italien, allenthalben mit großem Erfolge in Konzerten auftretend. Er war 1855—56 in Brasilien, 1856—58 in den Vereinigten Staaten von Amerika und lebte sodann zurückgezogen auf einer in der Nähe Neapels erworbenen Besitzung, bis er 1862 in Paris und London wieder mit Erfolg in die Offentlichkeit trat und 1863 zum zweiten mal nach Brasilien Gest Seit seiner Rückkehr lebte er wieder auf seiner Besitzung, wo er 28. April 1871 starb. Als Virtuos zeichnete sich T. aus durch die denkbarste technische Vollendung, durch einen schönen, immer edeln Ton und geschmackvollen, feinen Vortrag. An Kompositionen für sein Instrument lieferte er, außer einem Konzert, einer Sonate, Etuden, einigen Notturnen und andern kleinen Stücken, viele Phantasien über Opernmotive, die von einnehmender und reicher Klangwirkung sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 595Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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