Villars (Abbé de Montfaucon de), franz. Schriftsteller, geb. 1635 bei Toulouse, widmete sich dem geistl. Stande und kam 1667 nach Paris, um hier durch seine Predigten sein Glück zu machen. Sein lebhafter Geist verschaffte ihm bald Zutritt zu den besten Gesellschaften. Er schrieb 1670 die Antretiens du comte de Gabalis »‚ worin er mit feiner Jronie und in kunstreichem Stile sich über die damals viel besprochenen geheimen Wissenschaften, Magie, Rosenkreuzerei u. s. w. verbreitet, die aber von seinen geistlichen Obern so übel aufgenommen wurden, daß man ihm die Kanzel untersagte. Seine übrigen Arbeiten, meist kritischlitterarischen und satirischen Inhalts, sind vergessen. Auf einer Reise nach Lyon wurde er 1673 ermordet. Lange nach seinem Tode kamen sieben 1715) heraus, die eine witzige Satire auf die Cartesianische Philosophie sind. Billars (Claude Louis Hector, Herzog von), der letzte große Feldherr Ludwigs XIV., Pair und Marschall von Frankreich, wurde 8. Mai 1653 zu Moulins geboren. Sein Vater, der Marquis Pierre de V. (geb. 1623, gest. 20. März 1698), hatte sich als General und Diplomat ausgezeichnet, ebte aber lange in der Ungnade des Hofs. Der junge V. trat bei Hofe als Page ein, diente als Kavallerieoffizier unter Turenne, Condé und Luxembourg und erregte 1673 bei der Belagerung von Mastricht durch seine Kühnheit ganz besonders die Aufmerksamkeit Ludwigs XIV. Nachdem er 1690 den Grad eines Marechal-de-Camp erhalten, kämpfte er in den folgenden Jahren meist am Rhein. In den Friedensjahren 1698—1701 war er auf dem schwierigen Gesandtschaftsposten in Wien. Beim Ausbruch des Spanischen Erbfolgekriegs kämpfte V. 1701 mit großer Auszeichnung in Italien, mußte aber im Sommer 1702 mit einer selbständigen Armee zur Unterstützung des Kurfürsten von Bayern an den Rhein gehen. Er lieferte 14. Okt. 1702 den kaiserl. und Reichstruppen unter dem Prinzen Ludwig von Baden das Treffen bei Friedlingen, in dem er sich den Marschallstab verdiente. Im Frühjahr 1703 drang er durch den Schwarzwald und das Kinzinger Thal bis nach Duttlingen vor, wo er 12. Mai die Verbindung mit dem Kurfürsten herstellte. Während letzterer die Expedition nach Tirol unternahm, blieb V. zur Deckung Bayerns zurück. Im August vereinigte sich der Kurfürst abermals mit ihm, und beide kamen nach der Besetzung von Augsburg durch den Prinzen von Baden so ins Gedränge, daß sie sich 20. Sept. zu dem Treffen bei Höchstädt entschlossen, in welchem die Kaiserlichen unter Styrum in die Flucht geschlagen wurden. Trotz dieses Sieges setzte der Kurfürst die Zurückberufung V. durch. Ludwig XIV. übertrug ihm nun die Unterwerfung der Camisarden in den Cevennen, die er weniger durch Waffengewalt, als durch den Abschluß eines Friedens 1701 zu Stande brachte. Im J. 1706 befehligte V. abermals in Deutschland. Er nötigte im Mai den Prinzen von Baden, das Lager bei Drusenheim zu verlassen, eroberte Hanau und trieb den Prinzen über den Rhein. Im Feldzuge von 1707 überwältigte er 23. Mai die Linien bei Bühl und Stollhofen, zog den weichenden Reichstruppen nach und erschöpfte Schwaben und Franken durch Brandschatzungen. Nachdem er bis Gmünd vorgedrungen, mußte er sich vor dem verstärkten deutschen Heere erst nach Bruchsal, dann nach Rastatt zurückziehen. Bei seiner geringen Macht konnte er nichts Bedeutendes mehr vornehmen. Der König schickte ihn 1708 zur Armee der Dauphiné, an deren Spitze er in Piemont eindrang. Im J. 1709, als die Sache Ludwigs XIV. dem größten Verfall nahe, übernahm V. den Befehl über das 120000 Mann starke Heer in den Niederlanden, wo Eugen und Marlborough seine Gegner waren. Um die Festung Mons zu entsetzen, nahm er eine Stellung beim Dorfe Malplaquet. Hier kam es 11. Sept. 1709 zu einer mörderischen Schlacht, in der V. verwundet und geschlagen wurde. Er trat nach seiner Herstellung den Oberbefehl wieder an, mußte sich aber bei der Schwäche seiner Streitkräfte auf die Verteidigung beschränken. Der Abfall Englands von der gemeinsamen Sache verbesserte seine Lage dem Prinzen Eugen gegenüber. Noch 1712 bewirkte er durch einen Angriff auf die Österreicher unter Albemarle bei Denain 24. Juli, daß Marchiennes mit großen Magazinen in seine Hände fiel. Auch mußte Eugen die Belagerung von Landrecy aufheben und den Franzosen Douai, Quesnoi und Buchain preisgeben. Nach dem Utrechter Frieden siel V. gegen den Kaiser 1713 wieder in Deutschland ein, bemächtigte sich der Städte Worms, Kaiserslautern, Speier und Kirn unter bedeutenden Brandschatzungen und zwang 20. Aug. Landau und 16. Nov. Freiburg zur Übergabe. Hierauf erhielt er den Auftrag, mit dem Prinzen Eugen den Frieden zu unterhandeln, der endlich 6. März 1714 zu Rastatt zu Stande kam. Durch das Testament Ludwigs XIV. in den Regentschaftsrat berufen, der während der Minderjährigkeit Ludwigs XV. die Regierung führen sollte, wußte V. gegen den Regenten, den Herzog von Orléans, sein Ansehen zu behaupten. Als 1733 der Krieg zwischen Frankreich und Ssterreich aufs neue ausbrach, schickte Ludwig XV. den 81jährigen V. an der Spitze eines Heeres unter dem Titel eines Generalmarschalls nach Italien, wo er im Verein mit dem König von Sardinien das Mailändische und das Herzogtum Mantua eroberte. Mit seinem Waffengefährten unzufrieden und erschöpft, forderte er indessen seine Rückberufung. Er erkrankte auf der Reise nach Frankreich und starb zu Turin 17. Juni 1734. Von den «Mémoires v, die nach seinem Tode erschienen, ist nur wenig aus seiner Feder geflossen. Aus authentischen Quellen gab Anquetil das Leben V. (4 Bde., Par. 1784) heraus. Sein Bruder, der Graf Armand von V., gest. 17. Aug. 1712, machte sich im Spanischen Erbfolgekriege 1707 durch die Eroberung von Minorca bekannt. — Honoré Armand, Herzog von V., Prinz von Martigues, des Marschalls Sohn, geb. 4. Dez. 1702, war Brigadier, stand mit den berühmtesten Gelehrten seiner Zeit in Verbindung und starb im Mai 1770 zu Aix ohne männliche Nachkommen.