Villemain (Abel Frangois), namhafter franz. Gelehrter und Schriftsteller, geb. 11. Juni 1790 zu Paris, besuchte das Lyceum Louis le Grand und widmete sich nachher dem öffentlichen Lehrfache. Im J. 1812 krönte das Institut seinen Eloge de Montaigney, und 1816 gewann auch sein Eloge de Montesquieus den akademischen Preis. Royer-Collard ernannte ihn zum Professor der franz. Beredsamkeit an der Sorbonne, welchen Lehrstuhl er 16 Jahre lang fast ununterbrochen inne hatte. Im J. 1821 nahm ihn die Französische Akademie zum Mitglied auf. Mit Lacretelle und Chäteaubriand wurde er 1827 beauftragt, die von der Französischen Akademie an Karl X. gerichtete Bittschrift gegen die Wiedereinführung der Censur aufzusetzen, siel in Ungnade und verlor seine Requétenmeisterstelle im Staatsrate. Vom König Ludwig Philipp wurde er 1831 zur Pairswürde erhoben. Im Ministerium vom 29. Okt. 1840 übernahm er das Portefeuille des öffentlichen Unterrichts und hatte in dieser Stellung das organische Gesetz des Sekundärunterrichts vorzubereiten. Doch befriedigte er niemand mit seinem, gegen die widerstrebendsten Zumutungen nachgiebigen Entwurfe und trat 6. Jan. 1845 von seinem Posten ab. Infolge der Februarereignisse von 1848 vom polit. Schauplatze entfernt, verweigerte er 1852 Kaiser Napoleon III. den Huldigungseid und lebte seitdem ganz zurückgezogen. Er starb 8. Mai 1870 zu Paris. Unter seinen sprachlich eleganten Schriften sind zu nennen: Uistoire de Cromwello (Par. 1819), die Sammlung seiner Vorlesungen von 1828 —29“ „Cours de littérature francaisen (zuletzt 6 Bde., Par. 1864), Etudes de littérature ancienne et Ctrangères (Par. 1846; zuletzt 186 H), Tableau de Peloquence chrétienne au 4 siècles (zuletzt Par. 1865; deutsch von Köhler, Regensb. 1855), Choix détudes sur la littérature coutemporaines (Par. 1857), sowie viele an die Französische Akademie gerichtete Essais, Etudes, Discours, Notices, Rapports und andere, teilweise besonders abgedruckte oder in verschiedenen Zeitschriften veröffentlichte und nachher in Bänden gesammelte Stücke. Die nach seinem Tode erschienene «Uistoire de Grôgoire VIIi (2 Bde., 1873) fand sich handschriftlich und vollständig ausgearbeitet unter seinen nachgelassenen Papieren. Man trifft darin, nebst der schönen und geschmackvollen Schreibart, seine gewöhnlichen Eigenschaften als Geschichtschreiber: prunklose Gelehrsamkeit, Unbefangenheit, gemäßigte und besonnene Urteile. uunten Wars Jean Hippolyte Cartier, genannt de), franz. Journalist, geb. 22. April 1812 zu Rouen, führte bis zum 12. Jahre den Namen seines Vaters, des Obersten Cartier, welchen er dann mit dem mütterlichen Namen awen Das, vertauschte. Er fallierte als Kaufmann zu Blois, ing dann nach Tours und Nantes und 1839 nach aris. Hier widmete er sich dem Journalismus. Er pachtete das Modefeuilleton der cPressen (1844) und begründete mit Calonne und Boyer Le lam-Pione, „La bouche de fero, 4La chronique de Paris (1848 — 50), welche Blätter bald unterdrückt wurden. Seit April 1854 gab er, von seinen Schwiegersöhnen Bourdin und Jouvin unterstützt, den igaron wieder heraus, welcher unter seiner Leitung oft vor Gericht gezogen wurde. Das Blatt erschien zuerst zweimal wöchentlich: 1866 erschien es täglich und 1871 wurde es ganz antirepublikanisch und klerikal. V. starb 11. April 1879 zu Monte-Carlo auf seinem Gute. Unter seinem Namen wurden die Mémoires d'un journaliste 6 Bde., 1867—76) veröffentlicht, deren Verfasserschaft aber Philipp Gille zugeschrieben wird. Billemur, Stadt im franz. Depart. Haute-Garonne, Arrondissement Toulouse, rechts am Tarn, Station der Linie Montauban-St.⸗Sulpice der Südbahn, zählt (1881) 2169 (Gemeinde 4055) E. und hat Eisengießerei.