Vilmar (August Friedr. Christian), deutscher Theolog und Litterarhistoriker, geb. 21. Nov. 1800 zu Solz in Kurhessen, studierte zu Marburg, ward 1827 Lehrer am Gymnasium zu Hersfeld, 1831 Mitglied der hess. Ständeversammlung und darauf Mitglied der obern Kirchen- und Schulkommission. Später mit dem Referat in Schul⸗, besonders Gymnasialangelegenheiten betraut, gewann er auf das hess. Gelehrtenschulwesen großen Einfluß. V. ward 1833 Direktor des Gymnasiums zu Marburg, 1850 vortragender Rat im Ministerium des Innern und 1851 Stellvertreter des betagten Generalsuperintendenten. Als er dann aber nach dessen Tode 1855 selber von der Synode an diese Stelle gewählt wurde, verweigerte der Landesfürst die Bestätigung und ernannte ihn zum ordentl. Professor der Theologie in Marburg, wo er 30. Juli 1868 starb. Auf polit. wie kirchlichem Gebiete vertrat V. eine streng autoritative Richtung, besonders eine kath. Auffassung von der Würde des Predigtamts. Hierher gehören V.s Schriften: Die Theologie der Thatsachen und die Theologie der Rhetoriko (4. Aufl., Gütersl. 1876), Theol. Morals (3 Bde., Gütersl. 1871), Dogmatiks (herausg. von Piderit, 2 Bde., Gütersl. 1874—75), Lehrbuch der Pastoraltheologies (Gütersl. 1872), Schulreden über Fragen der Zeite (Marb. 1846; 3. Aufl., Gütersl. 1886), (Collegium biblicum, prakt. Erklärung der Heiligen Schriftoꝰ, herausgegeben von Müller (6 Bde., Gütersl. 1879—83). Von Bedeutung ist dagegen V.s Thätigkeit als Litterarhistoriker; besonders sind die im Winter 1843—44 zu Marburg gehaltenen Vorlesungen über die „Geschichte der deutschen Nationallitteraturs (Marb. 1845; 22. Aufl. 1886) hervorzuheben. Kleinere Arbeiten von vorzüglichem Werte sind: Deutsche Altertümer im Heliando (Marb. 1845; 2. Aufl. 1862), «Zur Litteratur Johann Fischartss (Mar. 1846; 2. Aufl. 1865), „Die Weltchronik Rudolfs von Emsv (Marb. 1839; 2. Aufl., Frankf. 1864), das «Handbüchlein für Freunde des deutschen Volksliedess (Marb. 1867; 3. Aufl. 1886) und das Deutsche Namenbüchlein (5. Aufl., Marb. 1880). Eine treffliche Arbeit ist das „Idiotikon von Kurhessenes (Marb. 1868). Während der Jahre 1848—51 gab V. die Wochenschrift „Der hess. Volksfreund» heraus, welche ihm, besonders von seiten der liberalen Parteien, heftige Angriffe zuzog. Der größte Teil der von ihm selbst gelieferten Aufsätze dieses Blattes erschien gesammelt als «Zur neuesten Kulturgeschichte Deutschlands⸗ (3 Bde., Frankf. 1858—61). Von 1861 bis 1866 gab er die 4Pastoraltheol. Blätter heraus. Vgl. Leimbachs Biographie V.s (Hannov. 1875).