FeedVitet (Ludovic)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Vitet (Ludovic), franz. Schriftsteller und Staatsmann, geh. 18. Okt. 1802 zu Paris, wurde 1819 Lehrer an der Normalschule, 1824 Mitarbeiter am „Globes und veröfsentlichte dramatisierte Schilderungen aus den unruhigen Zeiten der Ligue unter den Titeln: La journée des barricades“ (1826), Les états de Bloiso (1827) und La mort de Henri IIILà Saint-Cloudo (1829), eine Trilogie, welche der Verfasser bei einer spätern Ausgabe La Liguer (2 Bde., 1844) betitelte. Als die Revolution von 1830 die Mitarbeiter des &Globe und die Doktrinäre ans Staatsruder brachte, erhielt V. von Guizot die eigens für ihn geschaffene Stelle eines Inspektors der histor. Denkmäler (1831). Er wandte sich nun zur kritischen Bearbeitung der Kunstgeschichte und leistete auch auf diesem Gebiet Originelles und Hervorragendes. Seine Schrift ustache Lesueur, sa vie et ses uvreso (1843) bewirkte seine Aufnahme in die Französische Akademie. Die Monographie de l'église de Notre-Dame de Noyono (1845) gilt gleichfalls für ein Meisterstück in ihrer Art. Außerdem sind zu erwähnen: Fragments et mélangesv (2 Bde., 1846), eine Sammlung litterarischer Kritiken und archäol. Abhandlungen, EEssais historiques et littéraireso (1862), Etudes sur Phistoire de L'arty (4 Folgen, 1863—64), ein sehr interessantes Buch, in weichen der Verfasser eine Menge kunsthistor. Fragen ebenso scharfsinnig als gründlich erörtert. Abgeordneter der Deputiertenkammer 1834—48 und als solcher den doktrinär-konservativen Prinzipien zugethan, später Mitglied der Legislative von 1849 und der Konstituante von 1871, gehörte er in den zwei letzten Versammlungen zur monarchisch-legitimistischen Majorität. Der Deutsch⸗-Französische Krieg von 1870 und 1871 entflammte seine patriotische Begeisterung. Die berühmten Briefe V.s, welche die Revue des deux Mondesv alle 14 Tage während der pariser Belagerung bis zum Abschluß des Waffenstillstandes von ihm veröffentlichte (besonders abgedruckt unter dem Titel: Lettres sur le siége de Paris, 1870—715), bezeugten einen unbezwinglichen Optimismus. V. starb zu Paris 5. Juni 1873. Nach seinem Tode erschienen Etudes philosophiques et littéraireso, mit einer biographischen Notiz von Guizot (1874), und Le comte Duchateb (1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 296Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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