Voigt(Johs.), hervorragender Geschichtschreiber, geb. 27. Aug. 1786 zu Bettenhausen in Sachsen-Meiningen, widmete sich seit 1806 zu Jena der Theologie, später jedoch ausschließlich der Geschichte und Philologie. Im J. 1809 an das Pädagogium nach Halle berufen, habilitierte er sich 1812 als Privatdocent und verfaßte seine erste bedeutende Schrift: «Hildebrand als Papst Gregor VII. und sein Zeitalter » (Weim. 1815; 2. Aufl. 1846), in welcher V. das Papsttum Gregors VII. als eine der großartigsten Erscheinungen des Mittelalters und Gregor selbst im Geiste seiner Zeit als großen Reformator der Kirche darzustellen suchte. Hierauf erschien die Geschichte des Lombardenbundes»(Königsb. 1818). Unterdes war er 1817 einem Rufe als Professor der histor. Hilfswissenschaften und Archivsdirektor nach Königsberg gefolgt. Hier schrieb er 1821 De lacertarum societate, oder von der Eidechsengesellschaft», einem Rittervereine, der, wie V. bewies, den Abfall Westpreußens von dem Deutschen Orden an Polen bewirkte. Nachdem er hierauf ord. Professor der Geschichte an der Universität zu Königsberg geworden, gab er 1823 in Verbindung mit F. W. Schubert die „Jahrbücher oder die Chronik Joh. Lindenblatts (Johannes von der Pusilie)v, sowie 1840 mit dem Grafen Raczynsti die «Chronik Wigands von Marburg heraus. Dann folgte seine «Geschichte von Marienburge (Königsb. 1824) und die «Geschichte Preußens von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens» (Bd. 1—9, Königsb. 1827—39), sein bedeutendstes Geschichtswerk. An diese Leistungen schlossen sich der Codex diplomaticus Pruscicuso (6 Bde., Königsb. 1836 — 61), der 4Briefwechsel der berühmtesten Gelehrten des Zeitalters der Reformation mit Herzog Albrecht von Preußeno (Königsb. 1841), der cRamen-Coderx der deutschen Ordensbeamten, Hochmeister u. s. w.v (Königsb. 1843) und die 4Geschichte des Deutschen Ritterordens in seinen zwölf Balleien in Deutschlando (2 Bde., Berl. 1857—59). Ferner veröffentlichte er die «Westfäl. Femgerichte in Beziehung auf Preußeno (Königsb. 1836), ein Handbuch der Geschichte Preußens bis zur Reformationo (3 Bde., Königsb. 1842—43) und »Markgraf Albrecht Alceibiades von Brandenburg-Kulmbachv (2 Bde., Berl. 1852). Sein letztes Werk behandelt nach archivalischen Quellen » Die Erwerbung der Neumark, Ziel und Erfolg der brandenb. Politik unter den Kur⸗ „fürsten Friedrich I. und Friedrich II.„ (Verl. 1863). V. starb 23. Sept. 1863.