Wilken (Friedr.), deutscher Geschichtschreiber, geb. 23. Mai 1777 zu Ratzeburg im Lauenburgischen, studierte zu Göttingen anfangs Theologie, bald aber klassische und orient. Philologie und Geschichte. Im J. 1798 erhielt seine kritische Arbeit De bellorum cruciatorum ex Abulfeda historia den von der philos. Fakultät zu Göttingen ausgesetzten Preis, und 1800 wurde er Repetent der theol. Fakultät zu Göttingen. Im J. 1803 zum nstruktor des jungen Fursten Georg Wilhelm von chaumburg-Lippe ernannt, begleitete er diesen auf die Universität nach Leipzig; 1805 wurde er Professor der Geschichte an der Universität zu Heidelberg und 1807 Direktor der Universitätsbibliothek. In dieser Stellung gelang es ihm, einen Teil der im Dreißigjährigen Kriege von den Palart geplünderten und dem Papste geschenkten Palatinischen Bibliothek (zusammen 891 Handschriften) wieder zu erlangen. Im J. 1817 folgte er dem Rufe als Oberbibliothekar und Professor an die Universität zu Berlin, wo er 1819 Mitglied der Akademie der Wissenschaften, dann königl. Historiograph, Professor der Geschichte an der Kriegsschule, Rat im Obercensurkollegium und endlich 1830 Geh. Regierungsrat wurde. Zur Herstellung seiner Gesundheit hielt er sich seit 1824 in Dresden, Prag und Wien auf. Dann unternahm er 1826 eine wissenschaftliche Reise nach Italien, 1829 im Auftrag des Ministeriums nach Frankreich und England, 1838 nach Wiesbaden und München. Bald nach der Rückkehr stellte sich eine Geisteskrankheit infolge der Gicht aufs neue ein, die in völlige Geistesstörung überging. Er starb 24. Dez. 1840. W. hatte sich vorzüglich durch das Studium der Schriften Silvestre de Sacys gebildet. Unter seinen Schriften, welche meist die — Sprache, für die er 1805 die erste Grammatik und Chrestomathie herausgab, und die Geschichte des Orients zum Gegenstande haben, ist die Geschichte der Kreuzzüge nach morgenländ. und abendländ. Berichtend (7 Bde., Lpz. 1807—32) sein Hauptwerk. Dasselbe hat das Verdienst, sich zum ersten mal auf die orient. Quellen mit zu stützen, leidet aber rücksichtlich der histor. Kritik an mangelafter Sonderung der Sage von der geschichtlichen hatsache. Auch schrieb er: «Geschichte der Bildung, Beraubung und Vernichtung der alten heidelberger Büchersammlungo (Heidelb. 1817) und «Geschichte der königl. Bibliothek zu Berlino (Berl. 1828).