FeedVolksbewaffnung
GeschichteBrockhaus 1882

Volksbewaffnung bezeichnet die Wehrhaftmachung eines ganzen Volks und Verwendung desselben zu kriegerischen Zwecken, ist aber nur in der Form der allgemeinen Wehrpflicht, wie sie nach dem Vorbilde Preußens von den meisten Staaten angenommen worden ist, nützlich, da ein Massenaufgebot ohne Anlehnung an entsprechende permanente militärische Organisationen nach allen Erfahrungen zu unberechenbarer Selbstschädigung führt. Das Volksheer der Vereinigten Staaten von Amerika hat während des Sezessionskriegs der Union nach den offiziellen Censusberichten thatsächlich einen Verlust von 1750000 Köpfen, durch nachträgliche Folgen, wie Verminderung der Geburten u. s. w., aber schätzungsweise einen Verlust von 2½ Mill. Köpfen herbeigeführt. Auch der Deutsch-Französische Krieg von 1870 und 1871 hat das Bedenkliche des Heranziehens der nichtmilitärischen Bevölkerung in die kriegerische Thätigkeit von neuem bestätigt und die Schädlichkeit eines solchen Verfahrens erhärtet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 324Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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