Waitz (Georg), ausgezeichneter deutscher Geschichtsforscher, geb. 9. Okt. 1813 zu Flensburg aus einer aus Thüringen stammenden Familie, erhielt seine Gymnasialbildung in seiner Vaterstadt und widmete sich dann 1832 — 36 zu Kiel und Berlin jurist. und histor. Studien. Bald jedoch wandte er sich den letztern ausschließlich zu und promovierte mit einer Abhandlung über das Chrouicon Urspergenseb. Als Mitarbeiter an den Monumenta Germaniae historica ging er zunächst zu Pertz nach Hannover und besuchte die Bibliotheken und Archive zu Kopenhagen, Paris, mehrere franz. und lothring. Städte, von Luxemburg, Trier, Koblenz, Thüringen und Sachsen. Auf einer dieser Reisen fand er zu Merseburg die von J. Grimm herausgegebenen deutschen Gedichte aus heidnischer Zeit auf. Seine wichtigsten Arbeiten für die Monumentay aus dieser und der nächstfolgenden — sind die Ausgaben des Widukind, einer Reihe Biographien der sächs. Zeit, ferner des Marianus Scotus, des Ekkehardus Uraugiensis, des Annalista Saxo, der «Gesta Treverorumo, des Gottfried von Viterbo, der Bischofsgeschichten von Metz, Toul und Verdun, sowie der franz. Autoren Ademar und Hugo von Fleury. Im J. 1842 wurde W. zum Professor in Kiel ernannt. Bei der Märzbewegung 1848 war er erst einige Zeit bei der provisorischen Regierung in Rendsburg thätig, von welcher er auch zur Vertretung der Interessen der Herzogtümer nach Berlin gesendet wurde. In Kiel in die Deutsche Nationalversammlung gewählt, gehörte W. zur sog. Partei des Casino und des Weideubusches. Nachdem er mit Gagern, Dahlmann u. a. aus der Versammlung geschieden, trat er im Sommer 1849 die Professur in Göttingen an, zu dex er schon 1847 berufen worden war. —Unter W.“' zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: Deutsche Verfassungsgeschichtes (8 Bde., Kiel 1843 — 78; 3. Aufl., Bd. 1, 1879, Bd. 2, 1882; 2. Aufl., Bd. 3, 1883; Bd. 4, 1885),Schleswig-Holsteins Geschichtes (2 Bde., Gött. 1851 —54), «Lübeck unter Jürgen Wullenweber und die europ. Politiko (3 Bde., Berl. 1855 56) und „Grundzüge der Politike (Kiel 1862). Von seinen übrigen Schriften sind noch zu nennen: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich l.0(Berl. 1837; neue Bearbeitung, 1863), aÜber das Leben und die Lehre des Ulfila (Hannov. 1840), Das alte Recht der Salischen Franken » (Kiel 1846), t Deutsche Kaiser von Karl d. Gr. bis Maximilians (Berl. 1872). Hieran schließen sich mehrere monographische Arbeiten zur deutschen Verfassungs-f! geschichte und Geschichte der deutschen Historiogra-Hi phie in den Schriften der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften. Auch hat er wesentlichen Anteil an der Schrift «Das Staats- und Erbrecht des Her-H zogtums Schleswig » (Kiel 1849). Mit Ratjen besorgte er die Herausgabe der Nordalbingischen Studieno (6 Bde., Kiel 1844—51). Bei Ausbruch des letzten schlesw.⸗holstein. Kriegs veröffentlichte W. eine Kurze schlesw.⸗holstein. Landesgeschichten Giel 1861). Seit 1862 gab er, zuerst mit Häusser und Stälin, später mit Dümmler und Wegele, für die Historische Kommission in München die For-f schungen zur deutschen Geschichtev heraus. Im l Herbst 1875 folgte er einem Rufe als Mitglied der Akademie der Wissenschaften nach Berlin, um die e Stelle eines Vorsitzenden in der Centraldirektion der Monumenta Germaniaer und die Leitung der Abteilung Scriptoreso zu übernehmen. Für diese hat er Reisen nach Italien, England, der Schweiz und Paris gemacht und besonders den Band-Seriptores rerum Langobardicarum et Italicarum saec. VI-IXY (Hannov. 1878) herausgegeben. Über andere Arbeiten und das ganze Unternehmen gibt das Reue Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskundes (Bd. 1—4, Hannov. 1876—79) Auskunft. W. starb 24. Mai 1886 in Berlin. Vgl. Steindorff, «Bibliographische Übersicht über Georg * Werle, Abhandlungen etc.y (Götting. 1886). thropolog, geb. 17. März 1821 zu Gotha, widmete sich zu Leipzig und Jena philol. und philos. Studien und sammielte auf einer Reise nach Frankreich und Italien das Material zu einer neuen und kritischen Ausgabe des «Organond (2 Bde., Lpz. 1844—46) des Aristoteles. Nachdem er sich 1844 als Docent zu Marburg habilitiert, erhielt er 1848 eine außerord. Professur. Seine bedeutendsten Arbeiten sind: „Grundlegung der Psychologies (Hamb. u. Gotha 1846), Lehrbuch der Psychologie als Naturwissenschaft' (Braunschw. 1849) und «Allgemeine Päda8060d (Braunschw. 1852). In denselben versuchte W. die Unhaltbarkeit der idealistischen Philosophien von Fichte, Schelling und Hegel nachzuweisen, und war zu gleicher Zeit bestrebt, die Psychologie zur Grundlage der gesamten Philosophie zu machen, um dadurch wieder an Kant anzuknüpfen. Während sich W. in diesem Hauptpunkte, sowie auch darin, daß er die Psychologie auf naturwissenschaftlichanthropolog. Prinzipien gründete, von Herbart entfernte, schloß er sich doch in der Bearbeitung dieser Wissenschaft selbst demselben näher an. Bedeutendere Abweichung von Herbart zeigte W. in der Padagogik. Frucht seiner anthropolog. und ethnogr. Studien war Die Anthropologie der Naturvölkers (Bd. 1—4, Lpz. 1859—65; Bd. 5—6, herausg. von Gerland, 1867—71). Es ist dies sein eigentliches Hauptwerk. Außerdem veröffentlichte W. noch eine kleinere Arbeit über Die Indianer Nordamerikasv ECpz. 1864). Er starb 21. Mai 1864 zu Marburg.