FeedWattenbach (Wilh.)
ReligionBrockhaus 1882

Wattenbach (Wilh.), deutscher Geschichtsforscher und Paläograph, geb. 22. Sept. 1819 zu Ranzau in Holstein als Sohn eines hamburger Kaufmanns, besuchte 1832—36 die Schule zu Lübeck, w1836—37 das Gymnasium in Hamburg und studierte dann in Bonn, Göttingen und Berlin Philologie; in Berlin promovierte er 1842. Nachdem er hierauf ein Probejahr am Joachimsthal—⸗ schen Gymnasium zu Berlin bestanden hatte, wurde er Mitarbeiter an den «Monumenta Germaniae historica und trat für diese 1847 eine Reise nach Osterreich an, wo er auf der Hofbibliothek, sowie im Staatsarchiv zu Wien und in verschiedenen Klöstern arbeitete. Von dort, wo er «Beiträge zur Geschichte der christl. Kirche in Böhmen und Mähren» (Wien 1849) herausgab, 1849 zurückgekehrt, bearbeitete er den Reisebericht in Pertz' Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskundeß und die Ausgabe der «Osterr. Annaleno in den Monumentay, habilitierte sich 1851 als Privatdocent der Geschichte an der Universität zu Berlin und nahm 1855 die Berufung zum Provinzialarchivar für Schlesien an. In dieser Stellung fuhr W. fort, für die Monumenta Germaniaes (auch für die deutschen übersetzungen) zu arbeiten, war sehr thätig für die Geschichte Schlesiens und publizierte 4Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter bis zur Mitte des 13. Jahrh. v GBerl. 1858; 5. Aufl. 1886). Im J. 1862 als Professor der Geschichte an die Universität Heidelberg berufen, veröffentlichte er Anleitung zur griech. Paläographies (Lpz. 1867; 2. Aufl. 1877), „Anleitung zur lat. Paläographie » (Lpz. 1869; 4. Aufl. 1886), Das Schriftwesen im Mittelalters (Lpz. 1871; 2. Aufl. 1875); außerdem als Reisefrüchte einen Vortrag «Algier» (Berl. 1867), «Eine Ferienreise nach Spanien und Portugal» (Berl. 1869), (Die Siebenbürger Sachsenv (Heidelb. 1870) und »Stockholmo (Berl. 1875); auch zwei Vorträge, «Ninive und Babylon» (Heidelb. 1868). Im J. 1873 an die berliner Universität berufen, ist er in die Centraldirektion der Monumenta Germaniaev eingetreten, auch seit 1882 Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Er vollendete den von Jaffé begonnenen Katalog der Handschriften der kölner Dombibliothek, welche 1866 aus Darmstadt zurückgegeben waren (Berl. 1874), veröffentlichte mehrere Sammlungen von Schriftproben für griech. und lat. Paläographie und eine 4Geschichte des röm. Papsttums » (Berl. 1876) in populärer Form, aus Vorträgen hervorgegangen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 477Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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