Wallia (Walja), ein vornehmer Westgote, wurde nach dem gewaltsamen Sturze des Königs Sigrich, der selbst, sieben Tage vorher, des tapfern Balten Athaulf Ermordung in Barcelona benutzt hatte, um die Herrschaft an sich zu reißen, im Juli 415 n. Chr. an die Spitze des westgot. Volks gestellt. W. setzte zunächst die durch Athaulf begonnenen Eroberungen auf Kosten der Römer in Spanien fort, schloß aber 416 mit des Kaisers Honorius Feldherrn einen folgenreichen Vertrag. Er gab des Königs Athaulf Witwe Placidia ihrem Bruder, dem Kaiser, zurück, trat dann in den Dienst der röm. Politik und bekämpfte drei Jahre lang zu Gunsten des Kaisers die Alanen, Vandalen und Sueven in Spanien mit glänzendem Erfolg. Zur Belohnung erhielt W. und seine Goten 419 von den Römern unter kaiserl. Oberhoheit, aber thatsächlich so gut wie unabhängig, das westl. Aquitanien (Aquitania secunda), das Land zwischen unterer Loire, Atlantischem Meer und der Garonne, mit der Hauptstadt Tolosa: der Ausgangspunkt des später aufblühenden Westgotischen Reichs. W. selbst starb schon 419 ohne waffenfähige Söhne. Als König folgte ihm Theodorich I. W.s Tochter dagegen wurde die Gattin eines suevischen Prinzen und Mutter des berühmten Ricimer.