FeedWanderniere (Ren mobilis s. migrans)
HeilkundeBrockhaus 1882

Wanderniere (Ren mobilis s. migrans), eine eigentümliche Lageveränderung der einen oder beider Nieren, bei welcher die letztern infolge einer Lockerung ihrer Kapsel und ihrer Aufhängebänder aus ihrer normalen Lage sich zeitweise oder dauernd entfernen können. Meist wird die rechte Niere beweglich gefunden. Über die Ursache dieser Anomalie ist noch wenig bekannt; am häufigsten findet sie sich bei Frauen, bei denen namentlich das Traen fester Rockbänder und Schnürleiber, Schwangerschaften, schnelle Abmagerung, häufiges Erbrechen, hartnäckiger Husten, sowie schwere körperliche Arbeit das Zustandekommen einer W. zu begünstigen scheinen. In vielen Fällen macht eine bewegliche Niere gar keine Symptome; mitunter kommt es aber auch durch Einklemmung der wandernden Niere zu schweren Krankheitserscheinungen (Schüttelfrost, Erbrechen, kaltem Schweiß mit großem Angstgefühl, heftigen Leibschmerzen u. s. w.). Die Behandlung besteht in Reposition und Fixierung der Niere durch geeignete Bruchbänder oder elastische Leibbinden; daneben sorge man für Kräftigung der schlaffen Bauchdecken durch Massage, Elektricität, hydropathische Einpackungen und eine zweckmäßige Abhärtung des gesamten Körpers.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 428Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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