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ErdkundeBrockhaus 1882

Wandsbek, Kreisstadt im Kreise Stormarn der preuß. Provinz Schleswig-⸗Holstein, Sitz des Landrats, eines Amtsgerichts und eines Hauptzollamts, liegt teilweise außerhalb der Zollvereinsgrenze an der Hamburg-Lübecker Eisenbahn und ist durch eine Straßenbahn mit Lokomotivbetrieb mit der nur 4 km entfernten Stadt Hamburg verbunden. Die Stadt besitzt eine prot. Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium mit Realprogymnasium und hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr gehoben. Im J. 1835 zählte der Ort erst 3020, 1864 7460, 1885 aber 17 763 meist prot. E., die eine ansehnliche Industrie und sehr lebhaften Verkehr unterhalten; so befinden sich hier bedeutende Brauereien, Brennerei, Hefefabrik und Brotdampfmühle, sowie eine artistische Anstalt. Der bekannte Volksschriftsteller Matthias Claudius (s. d.), der sich selbst den Wandsbeker Boten nannte, liegt hier begraben und hat im Wandsbeker Gehölz ein Denkmal. W. wurde auf dem Grunde des adeligen Gutes W. erbaut, wo der gelehrte königl. dän. Statthalter von Schleswig-Holstein, Heinrich Rantzau (s. d.), 1568 eine Burg errichtete und daselbst 1597—98 den berühmten dän. Astronomen Tycho de Brahe beherbergte. Das von dem königl. dän. Schatzmeister Grafen H. C. von Schimmelmann 1773 neu erbaute Schloß ward 1861 abgebrochen, der Schloßgrund parzelliert und von dem Käufer, dem Industriellen von Carstenn in Lichterfelde, mit Villen bebaut, die meistens an Kaufleute aus Hamburg verkauft wurden. Der ganze Komplex, «Adeliges Gut Marienthalo genannt, wurde 1878 in die Stadt W. einverleibt. Vgl. Hansen, Chronik von W.v (Altona 1834).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 429Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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