FeedWangen
GeschichteBrockhaus 1882

Wangen, Oberamtsstadt im württemb. Donaukreise, an der Argen, 553m über dem Meere, unweit der bayr. Grenze, Station der Linie Kißlegg-W. der Württembergischen Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts, von starken Mauern mit Thoren und Türmen umgeben, zählt (1885) 2897 meist kath. E. und hat Latein⸗ und Realschule, Baumwollindustrie, eine Papierfabrik und Holzstofffabrikation. Die Reichsstadt W. kam 1803 an Bayern und 1810 an Württemberg. — Das Oberamt Wangen zählt auf 357 qkm 21 453 E. Waungenbrand, s. Noma. eemb. Stacl GKarl August, Freiherr von), württemb. Staatsmann, geb. zu Gotha 14. März 1773, studierte anfangs Theologie, dann die Rechte zu Jena und Erlangen. Er wurde 1795 Assessor, hierauf Rat in der sachsen-coburg-saalfeld. Landesregierung, Geh. Assistenzrat im Ministerium und unter dem dirigierenden Minister Kretschmann 1803 Vizepräsident in der Landesregierung. Wegen einer Differenz mit dem Minister erhielt er 1804 seine Entlassung. W. hielt sich dann in Hildburghausen auf, wo er sich mit Finanzwissenschaft beschäftigte und auch Beiträge zur Geschichte der Organisation der sachsen-coburg⸗-saalfeld. Landeß (Gotha 1805) schrieb. In Aufträgen des Herzogs von Sachsen-Hildburghausen wurde er mit dem Könige Friedrich von Württemberg bekannt, der ihn 1806 zum Präsidenten des Oberfinanzdepartements ernannte. Sein Eifer in der Herstellung einer festen Finanzordnung aber machte ihn unbequem, weshalb er im November 1809 zum Präsidenten der Regierung und nach deren Aufhebung 1811 zum Präsidenten des Obertribunals und Curator der Universität in Tübingen ernannt wurde. Bei Gelegenheit des Verfassungsstreits in Württemberg schrieb er einen Entwurf zur Erneuerung von Württembergs alter Landesverfassunge, infolge dessen er im Oktober 1815⁵ zum Mitgliede der Verfassungskommission ernannt wurde. König Wilhelm übertrug ihm 8. Nov. 1816 das Kultusministerium. Zugleich arbeitete er mit an dem Verfassungswerke, vorzüglich an der Ausführung der Gemeinde- und Amtskörperschaftenverfassung. Im November 1817 zum württemb. Gesandten am Bundestage ernannt, stand er an der Spitze der liberalen Opposition gegen das Metternichsche Reaktionssystem, wurde aber deshalb 1823 auf Metternichs Andrängen abberufen. Darauf wurde er als Staatsminister pensioniert, lebte seitdem in Dresden, Coburg und Jena und starb zu Coburg 19. Juli 1850. Aus seinem Nachlaß erschien: Das Dreiköni sbündniß vom 26. Mai 18495 (herausg. von Michaelis, Stuttg. 1851).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 430Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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