FeedWannowski (Peter Semenowitsch)
GeschichteBrockhaus 1882

Wannowski (Peter Semenowitsch), russ. General der Infanterie, Generaladjutant des Kaisers und Kriegsminister, geb. 24. Nov. 1822, stammt aus einer adeligen Familie im Gouvernement Minsk, wurde im 1. Kadettenkorps zu Petersburg erzogen und trat 22. Juni 1840 als Offizier in das finländische Leibgarde⸗-Infanterieregiment. W. nahm 1849 am Feldzuge in Ungarn und 1853—54 am Donaufeldzuge teil, wurde 1855 Oberst und that sich durch militärische Begabung und unbeugsame Willensfestigkeit hervor. Er wurde 1857 Chef der Offizierschießschule zu Petersburg und 1860 beratendes Mitglied des Artilleriekomitees, 1861 Generalmajor und Kommandeur des Pawlowschen Kadettenkorps, welches 1863 in eine Junkerschule umgewandelt wurde. Im J. 1868 erfolgte seine Beförderung zum Generallieutenant und Kommandeur der 12. Infanteriedivision, 1871 übernahm er den Befehl über die 33. Infanteriedivision im Militärbezirk Kiew und 1876 wurde er kommandierender General des 12. Armeekorps. Er führte dieses Korps unter dem damaligen Großfürsten-Thronfolger, dem jetzigen Kaiser Alexander III., 1877 im Türkenkriege, zeichnete sich durch Diensteifer und strenge Rechtlichkeit aus und wurde bald Chef des Generalstabes der gegen Rustschuk operierenden Armee. Auch in dieser hohen Vertrauensstellung bewährte er sich als umsichtiger, Geopesorde) Truppenführer, erwarb den St. Georgsorden 3. Klasse und übernahm den Oberbefehl über diese Armee, als der Großfürst-Thronfolger den Kriegsschauplatz verließ und nach Rußland zurückkehrte. Nach dem Friedensschluß trat W. in die frühere Stellung als kommandierender General des 12. Armeekorps nach Kiew zurück und wurde 1881, nach dem Rücktritt des Generals Miljutin, zum Kriegsminister ernannt. In dieser Stellung vollendete W. die Reorganisation der russ. Armee. Unter seiner Verwaltung wurde die reguläre Kavallerie bedeutend verstärkt und, mit Ausnahme einiger Garderegimenter, in Dragoner umgewandelt; alle Regimenter wurden von 4 auf 6 Schwadronen gebracht. Die berittenen Regimenter der Kosakenheere wurden in derselben Art, wie bereits früher beim donischen Heere geschehen war, mit dem regulären Dienste bekannt gemacht und zum Teil in den Verband von Kavalleriedivisionen übernommen. Die Feld⸗ und Belagerungsartillerie wurde mit neuen Hinterladungsgeschützen ausgerüstet, die Festungsartillerie vermehrt und mit Stämmen für die Ausfallbatterien der westl. Festungen versehen. Die Ingenieurtruppen wurden verstärkt und eine Luftschifferabteilung errichtet. Bei der Infanterie und den Schützen wurde die Schießausbildung wesentlich verbessert. Die Lokaltruppen wurden vermindert und die Zahl der in das Heer eingestellten Ersatzmannschaften von Jahr zu Jahr erhöht. Für die Reichswehr wurden Ausrüstungsmagazine angelegt und die Organisation des 1. Aufgebots, für welche vorher noch nichts geschehen war, vorbereitet. Dem Militärbildungswesen wendete W. besondere Aufmerksamkeit zu, auch wurde unter seiner Verwaltung durch Verwertung der im letzten Türkenkriege gewonnenen Erfahrungen die Mobilmachung der Armee zweckmäßiger vorbereitet und die hierfür beanspruchte Zeit abgekürzt. Der westl. Teil des Reichs wurde stärker mit Truppen besetzt und durch Erweiterung des Eisenbahnnetzes und den Neubau, beziehungsweise die Verstärkung von Festungen für militärische Zwecke besser verwendbar gemacht. Durch große Feldmanöver und vermehrte Heranziehung der Truppen des stehenden Heeres zu Lagerübungen wurde die taktische Ausbildung der höhern Führer und der Truppen erheblich gefördert. W. wurde 1884 Ehrenmitglied der Medico-Chirurgischen Akademie und 1885 der Ingenieurakademie, auch wurde er 1885 mit seiner Familie in den Verband des donischen Kosakenheeres aufgenommen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 430Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6