FeedWappäus (Joh. Eduard)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Wappäus (Joh. Eduard), einer der größten deutschen Geographen und namhafter Statistiker, geb. 17. Mai 1812 zu Hamburg, erhielt daselbst seine Vorbildung und besuchte dann die landwirtschaftliche Akademie zu Möglin, hierauf die Universität Göttingen, wo Hausmann, dann bis 1836 die Universität Berlin, wo K. Ritter bestimmenden Einfluß auf die Richtung seiner Studien gewann. Seine Studienzeit fand Unterbrechung durch eine Reise nach den Kapverdischen Inseln und Brasilien von Juni 1833 bis Juli 1834. Nachdem er mit der Dissertation De Oceani fluminibuso zu Göttingen promoviert, privatisierte er einige Zeit in Hamburg, Bonn und Paris; 1838 habilitierte er sich als Privatdocent zu Göttingen, wo er 1845 eine außerord. und 1854 eine ord. Professur erhielt. Im J. 1847übernahm er die Redaktion der neuen Bearbeitung von Stein-Hörschelmanns Handbuch der Geographie und Statistiko, das er 1871 als zehnbändiges Werk abschloß und das als eine monumentale geographische Encyllopädie nicht seinesgleichen hat. Dasselbe vereinigt freilich in einer der heutigen Auffassung vom wissenschaftlichen Charakter der Erdkunde widerstrebenden Weise aus Gründen der Zweckmäßigleit Geographie und Statistik, trotzdem aber wird es wegen der außerordentlich gründlichen Benutzung eines für manche Länder großartig reichen Quellenmaterials dauernden Wert behalten; W. selbst schrieb in diesem «Handbucho den allgemeinen einleitenden Teil und die Amerika gewidmeten 3 Bände; speziell die Südamerika behandelnden Teile bilden die Grundlage aller südamerikanischen Geographie. Als Delegierter der hannoverschen Regierung nahm er an den Statistischen Kongressen Teil; seine Vorlesungen über allgemeine Bevöl—⸗ lerungsstatistitos (Lpz. 1859 und 1861) waren in jeder Beziehung epochemachend. Von seinen frühern Arbeiten sind noch hervorzuheben: „Untersuchungen üÜber die geogr. Entdeckungen der Portugiesen unter Heinrich dem Seefahrerd (Bd. 1, Gött. 1842), „Die Republiken von Südamerikas (1. Abteil: Ve- und Kolonisatione (Lpz. 1846; Fortsehung 1848). Zahlreiche kleinere Mitteilungen und Recensionen von W. enthalten die Göttingischen Gelehrten Anzeigenv, deren Redaktion er 184863 und 1874—79 übernommen hat. W. gebührt das Verdienst, zuerst das südl. Amerika als ein für die deutsche Auswanderung in höchstem Grade geeignetes Gebiet wissenschaftlich begründet und nachhaltig empfohlen zu haben. Seine letzte Publikation war der von ihm herausgegebene Briefwechsel zwischen Hausmann und Karl Rittero (Lpz. 1879). Er starb 16. Dez. 1879 zu Göttingen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 432Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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