Erdmannsdörffer urg, Deiud Historiker, geb. 24. Jan. 1833 in Altenburg, besuchte das Gymnasium daselbst, studierte seit 1852 erst in Jena, dann in Berlin Philologie und Geschichte und wandte sich dann, nach einem längern Aufenthalt in Venedig (1857), wo er im Archiv und in der Markusbibliothek arbeitete, spezieller den histor. Studien zu, zu denen er besonders von Droysen in Jena die Anregung erhalten hatte. Er habilitierte sich im Herbst 1858 in Jena, wo er zumeist Vorlesungen über alte Geschichte hielt. Im Herbst 1859 trat er im Auftrag der Historischen Kommission in München eine Studienreise nach Italien an, um in den ital. Bibliotheken und Archiven Materialien für die Herausgabe der Deutschen Reichstagsakteno zu sammeln. Bald nach seiner Rückkehr siedelte er nach Berlin über, habilitierte sich an der dortigen Universität und beteiligte sich an der Herausgabe des großen, von dem preuß. Kronprinzen veranlaßten urkundlichen Werks über die Geschichte des Großen Kurfürsten, dessen erster Band 1864 erschien. Von 1863 an bis 1870 war er zugleich Lehrer der Geschichte an der Kriegsakademie. Nachdem er einen Ruf an die Universität Dorpat abgelehnt, wurde er 1869 zum außerord. Professor in Berlin ernannt. Im Frühjahr 1871 nahm er einen Ruf als ord. Professor an die Universität Greifswald an. Im Herbst 1873 wurde er in der gleichen Eigenschaft nach Breslau versetzt, folgte aber schon nach Verlauf eines Semesters der Berufung auf den Lehrstuhl für neuere Geschichte an der Universität Heidelberg, wo er seitdem thätig ist. Er schrieb: De commercio quod inter Veuetos et Germaniae civitates aevo medio intercessito (Lpz. 1858), «Herzog Karl Emanuel I. von Savoyen und die deutsche Kaiserwahl von 1619. Ein Beitrag zur Vorgeschichte des Dreißigjährigen Kriegso (Lpz. 1862), Graf Georg Friedrich von Waldeck; ein preuß. Staatsmann im 17. Jahrh.» (Berl. 1869), «Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburgo (Bd. 1, 4, 6, 7, 8, Berl. 1864—-83).