FeedWarbeck (Perkin, d. h. Peterchen)
GeschichteBrockhaus 1882

Warbeck (Perkin, d. h. Peterchen), angeblicher Sohn Eduards IV. (s. d.) von England und Kronprätendent gegen Heinrich VII. (s. d.). Nach Aussage der Anhänger des Hauses Tudor soll er der Sohn eines getauften Juden aus Tournay gewesen sein, der sich zur Zeit Eduards IV. zu London aufielt. In Antwerpen fiel Perkin, der ein glänzendes lußeres und sprechende Ahnlichkeit mit Eduard IV. besaß, einem Agenten der Herzogin Margarete von Burgund, der Schwester Eduards IV., in die Hände, die ihn aus Haß gegen die Dynastie Tudor (s. d.) in die Rolle eines Prätendenten einweihte. Nach Ausbruch des Kriegs zwischen Karl VIII. von Frankreich und Heinrich VII. erklärte ihn die Herzogin 1492 feierlich für ihren Neffen, indem sie behauptete, die Söhne Eduards wären von Richard III. (. d.) nicht ermordet, sondern nur verborgen worden. Perkin ging noch 1492 unter dem Titel eines Herzogs von Nork nach Irland, mußte aber nach dem Frieden zwischen Frankreich und England (Nov. 1492) nach Burgund zurückkehren, wo er als Prinz und engl. Thronerbe behandelt wurde. Das Volt und viele Große in England waren von der königl. Abkunft Perkins überzeugt. Heinrich VII. ließ die noch lebenden Mörder der Söhne Eduards, Tyrrel und Dighton, scharf verhören und machte das Resultat bekannt; aber der Priester, der allein die Begräbnisstelle der ermordeten Prinzen im Tower gekannt haben sollte, war gestorben, und deshalb blieb die Sache immer noch zweifelhaft. Im Juli 1495 fiel W. mit 600 Abenteurern an der Küste von Kent ein, mußte aber mit Verlust nach Flandern zurückkehren. Er machte hierauf einen Versuch in Irland, der ebenfalls mißlang, und ging sodann nach Schottland, wo er bei Jakob IV., dem Feinde Heinrichs VII., die beste Aufnahme fand. Jakob gab ihm sogar die Tochter des Grafen von Huntly, die schöne Katharina Gordon, eine Verwandte der Stuarts, zur Gemahlin und fiel im Verein mit Perkin 1495 und 1496 in England ein, trat aber dann mit Heinrich VII. in Friedensunterhandlungen, die des Prätendenten Entfernung aus Schottland zur Folge hatten. Perkin wendete sich mit seiner Gemahlin und Gefolge nach Irland, von wo aus er, einen Aufstand in Cornwallis benutzend, mit 120 Mann im Sept. 1498 an der Küste von Whitesandbay landete. Er nahm den Titel Richard IV. an, erhielt Zulau von mehrern tausend Bauern und marschierte au Exeter, das ihm jedoch die Thore verschloß. Bei der Annäherung der königl. Truppen er sich nach Taunton zurück und floh später ach eaulieu, wo er nach der Sitte der Zeit eine Freistätte fand. Da Heinrich das geistliche I4½ nicht zu verletzen wagte, trat er mit Perkin in Unterhandlung, der sich endlich selbst auslieferte. Man führte ihn durch die Straßen von London und warf ihn in den Tower. Nach Verlauf eines Jahres entfloh Perkin und eilte nach der Küste von Kent, um sich einzuschiffen. Da er sich aber verfolgt sah, suchte er Schutz in dem Kloster Shyne. Der Prior lieferte ihn erst aus, nachdem ihm das Leben des Unglücklichen versprochen worden. Heinrich VII. ließ jetzt den Prätendenten einen ganzen Tag hindurch erst im Hofe von Westminster, dann unter dem Kreuze von Cheapside ausstellen und in dem Tower in engen Gewahrsam bringen. Doch fand Perkin, wahrscheinlich auf des Königs Anstiften, Gelegenheit, mit dem als rechtmäßigen Thronerben ge-Sohne gehaltenen Grafen von Warwick (s. d.), dem ne des Herzogs von Clarence, in Verbindung zu treten, mit dem er eine gemeinsame Flucht verabredete. Heinrich benutzte dieses Komplott, um sich beider zu entledigen, ließ 1499 Perkin ohne Umstände an den Galgen knüpfen, Warwick aber, als einen königl. Sprößling, enthaupten. Vgl. Rey, Essais historiques et eritiques sur Richard IIIV (Par. 1818), der die Rechtmäßigkeit Perkins zu beweisen sucht. Schiller beabsichtigte, W.s Schicksale in einem Drama zu behandeln, von welchem der Entwurf und Bruchstücke vorhanden sind. Deüchwes alte, vormals stark befestigte Stadt an der schwed. Westküste in Hallands-Län, Station der Privatbahn W.⸗Boras, zählt (1885) 4049 E. und ist hauptsächlich wegen des vorzüglichen Seebades bekannt. W. führt Holz, Korn und Granit aus und hat große Steinhauereien, mechan. Werkstätten und Gießereien. Die Dampfschiffverbindung mit den Städten der Westküste sowie mit Kopenhagen und Lübeck ist lebhaft. Schon um 1250 bekannt, war W. wegen seiner Bedeutung als Festung ein stetes Ziel der schwed.⸗dän. Kriege. Die alten Befestigungen dienen jetzt als Strafgefängnis.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 434Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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