FeedWasserwage
TechnikBrockhaus 1882

Wasserwage, Libelle, Niveau, ist die empfindlichste und daher genaueste Vorrichtung zur Herstellung horizontaler und vertikaler Linien und Ebenen beim Messen u. s. w., und kann auch zur Ermittelung sehr kleiner Vertikalwinkel benutzt werden. W. sind verschlossene Glasgefäße von besonderer Form, welche zu ihrer größern Haltbarkeit in Messing gefaßt sind; sie haben als Füllung eine tropfbare und eine luftförmige Flüssigkeit, welche letztere in Form einer Luftblase erscheint und als die spezifisch leichtere Materie stets an der höchsten Stelle sich befindet. Als tropfbare Flüssigkeit wurde anfänglich das Wasser, als elastische die atmosphärische Luft benutzt. In neuerer Zeit wendet man statt Wasser Weingeist, oder bei sehr genauer W. Schwefeläther an; in Stelle der Luft tritt der Dampf der benutzten Flüssigkeit. Je nach der Form unterscheidet man Dosenlibellen (s. d.) und Röhrenlibellen (Dosen⸗, resp. Röhrenniveaus). Die Dosenlibelle ist ein flaches cylindrisches Messinggefäß, welches oberhalb mit einem auswendig ebenen, inwendig konkav ausgeschliffenen Glasdeckel verschlossen ist. Der Halbmesser der konkaven Ausschleifung beträgt einige Decimeter. In der Mitte der Glasplatte sind einige konzentrische Kreise auf derselben eingerissen. Da bei normalen Dosenlibellen die obere Fläche der Glasplatte und die untere der Messingbüchse einander parallel sind, so zeigt die auf eine Ebene aufgefetzte Libelle die wagrechte Lage jener an, sobald die Luftblase konzentrisch unter den eingerissenen Kreisen erscheint. Viel verbreiteter als die Dosen⸗, sind die Röhrenlibellen; sie beruhen auf einer unter Einwirkung der Hitze schwach gebogenen, oder besser einer geraden, dabei im Innern tonnenförmig ausgeschliffenen cylindrischen Glasröhre. Der Radius der Krümmung, beziehungsweise Ausschleifung kann bis 100 m betragen; je größer derselbe, desto empfindlicher ist die W. Die Glasröhre der Libelle hat eine messingene Fassung, deren Einrichtung verschieden ist, je nachdem dieselbe selbständig gebraucht werden soll oder mit einem Meßinstrument in Verbindung ist. Die höchste Stelle der Krümmung oder die höchste und die tiefste der tonnenförmigen Ausschleifung (die wagerechte Lage der Libellenachse angenommen) bleibt frei und hat eine eingeritzte Skala, zur Erkennung des horizontalen Standes und zum event. Messen der Vertikalwinkel. Der horizontale Stand der Libellenachse ist vorhanden, sobald die Luftblase unter der Mitte der Skala erscheint; damit ist auch jede zu jener Achse parallele Linie horizontal. Meistenteils sind die Röhrenlibellen mit dem Fernrohr eines Vertikalwinkelmessers (Kippregel, Theodolith, s. d.) oder eines Nivellierinstruments in Verbindung. Ist eine Röhrenlibelle zur Beobachtung auf beiden Seiten eingerichtet, sodaß sie beim Durchschlagen des Fernrohrs benutzt werden kann, so heißt sie Reversionslibelle. Läßt sie bei nur einseitiger Einteilung zu diesem Zweck eine Drehung um ihre Längenachse zu, so wird sie Kompensationslibelle genannt. Röhrenlibellen haben bei ihrem größern Krümmungsradius eine viel bedeutendere Emmpfindlichkeit als Dosenlibellen. Nicht zu verwechseln mit W. ist die Kanalwage, welche zum flüchtigen Nivellieren (s. d.) dient. dem Aufenthalt eine Gruppe Wanzen, die sonst kaum näher miteinander verwandt sein dürften, auch weitere gemeinsame Charaktere nicht haben. Man rechnet zu den W. die Wasserläufer (Hydrometridae), die Wasserskorpione (Nepidae), zu denen auch die gemeine W. (Naucoris eimicoides, Tafel: Insekten IV, Fig. 41) gehört, und die Rückenschwimmer (Notonectidae).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 471Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Technik 6