FeedWatt(James)
TechnikBrockhaus 1882

Watt(James), der Schöpfer der heutigen Dampfmaschinen, wurde 19. Jan. 1736 in dem schott. Städtchen Greenock von angesehenen, aber unbemittelten Eltern geboren. Obwohl geweckten Geistes, vermochte er infolge seiner schwachen Gesundheit sich nur mangelhafte Schulbildung anzueignen; erst in den beiden letzten Jahren des Schulbesuchs traten seine ausgezeichneten Fähigkeiten, besonders für das Studium der Mathematik, mehr hervor. In der Zimmerwerkstatt seines Vaters erwarb er sich schon als Knabe einen hohen Grad praktischer Geschicklichkeit, die er in allerlei mechan. Arbeiten zeigte. In seinem 18. Jahre kam er nach Glasgow zu einem Verfertiger mathem. Instrumente in die Lehre. Zwei Jahre später ging er nach London, wo er bei einem geschickten Verkmeister Arbeit nahm, doch mußte er wegen Kränklichkeit schon nach einem Jahre in seine Heimat zurückkehren. In der Folge bildete er sich durch eigenen Fleiß weiter. Im g. 1757 wurde er Universitätsmechaniker in Glasgow, wo er bis 1774, auch als Feldmesser und Civilingenieur beschäftigt, in ziemlich bedrängten Verhältnissen lebte. Die ihm 1763 übertragene Reparatur eines Modells der Neweomenschen Maschine (s. unter Dampfmaschine) veranlaßte ihn, die Entwickelungsgeschichte dieser Erfindung zu studieren, und durch die um dieselbe Zeit von Black (s. d.) aufgestellte Lehre von der latenten Wärme wurde er dazu angeregt, praktische Versuche zur Lösung der bezüglichen Probleme zu machen, welche trotz der beschränkten Mittel zu überraschenden Resultaten führten. Im J. 1769 begannen die Verhandlungen, in deren Verlauf das finanzielle Interesse an W.s Erfindungen zum großen Teil an den reichen und geschäftskundigen Fabrikanten Boulton (s. d.) überging; 1774 nahm W. als Kompagnon Boultons seinen bleibenden Aufenthalt in Soho bei Birmingham. Durch die aus ihrem Etablissement hervorgehenden Konstruktionen wurde der Dampf als Betriebskraft für die mannigfachsten Zwecke in die gewerbliche Praxis eingeführt. Die folgenden zehn Jahre waren für W. die an Ideen fruchtbarsten seines ganzen Lebens. Abgesehen von einigen selbständigen Erfindungen (einer Maschine zum Briefkopieren, die in England allgemein eingeführt ist, und einem Apparat zum Trocknen von Geweben mittels eingeschlossenen Wasserdampfes) betreffen die ihm während dieser Zeit erteilten Patente eine Reihe durchgreifender Verbesserungen der Dampfmaschine, durch welche sie allmählich ihre jetzige Gestalt erhielt. Im höhern Alter überließ W. seinen Anteil am Geschäft seinem Sohn, der dasselbe gemeinsam mit Boultons Sohn fortführte. Er bap, am 19. Aug. 1819 in Heathfield bei Birmingham, an welchem Ort er die letzten Jahre, hochgeehrt von seinen Zeitgenossen, in ruhiger Zurückgezogenheit verlebt hatte, und liegt in der Kirche von Handsworth begraben, wo ein Denkmal seine Ruhestätte bezeichnet. Eine Statue von Chantrey ist ihm in der Westminsterabtei, eine andere 1827 in Birmingham, eine 1838 in Greenock und eine 1857 in Manchester errichtet worden. Vgl. Muirhead, «The origin and progress of the mechanical inventions of James W.v (3 Bde., Lond. 1855); Life of James W.o (Lond. 1858); Smiles, XLives of Boulton and W. (Lond. 1865).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 477Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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