FeedWeckherlin (Aug. von)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Weckherlin (Aug. von), ausgezeichneter deutscher Landwirt, geb. 1794 zu. Stuttpart, erhielt seine landwirtschaftliche Bildung zu Hofwyl und auf verschiedenen Gütern des Auslandes. Im J. 1817 berief ihn der König von Württemberg zur Einrichtung und Administration seiner Privatdo-Ruent in die deutsche Litteratur ein. Gegenüber den trengern metrischen Gesetzen, wie sie Opitz einführte, Conversations-Lexilon. 13. Aufl. XVI. 5Weckherlin (Wilh. Ludw.), auch Wekhrlin, Journalist, geb. 1739 zu Bothnang im Württemrbergischen, ging, nachdem er zu Tübingen kurze Zeit „die Rechte studiert, als Hofmeister nach Straßburg, edann nach Paris, wo er besonders Voltaires und „Linguets Schriften studierte und sich aus diesen den satirischen Ton aneignete, der seine meisten Schrifrten charalterisiert. Bald nachher wandte er sich nach 1Wien und lebte hier von Privatunterricht und Gerlegenheitsschriftstellerei. Sein reicher Witz verschaffte ihm anfangs viele Freunde, die ihm aber durch seine ungeregelte Lebensweise und seinen Hang zu Satire wieder entfremdet wurden. Endlich zogen ihm die mutwilligen Denkwürdigkeiten von Wienp (1777) Haft und Landesverweisung zu. Er lebte nun nacheinander in Regensburg, Augsburg, Nördlingen und zuletzt in Baldingen, einem fürstl. Wallersteinschen Dorfe bei Nördlingen. Für die Verweisung aus Augsburg rächte er sich durch „Anselmus Rabiosus' Reise durch Deutschland v (1778), die großes Aufsehen machte. In Nördlingen schrieb er die polit. Zeitschrift «Das Felleisend, welche er mit allgemeinern Tendenzen als Chronologeno (12 Bde., 1779—81), Das graue Unge⸗ (6 Bde., 1788 — 90) und «Paragraphen » (2 Bde., 1791) fortsetzte. Wegen einer Schmähschrift gegen die Reichsstadt Nördlingen wurde er von 1788 an auf dem Wallersteinschen Schlosse Hochhaus vier Jahre in Haft gehalten. Im J. 1792 begann er in Ansbach unter Hardenbergs Schutz eine polit. Zeitung, die «Ansbachschen Blätterv. Der Verdacht eines Einverständnisses mit den Franzosen erregte, als sich franz. Truppen näherten, einen Volksauflauf gegen ihn, und bald darauf erhielt er Hausharrest. Er erkrankte infolge dessen und starb 24. Nov. 1792. W., dessen Charakter und Leben vielfach an Schubart erinnert, hat zur Reinigung und Besserung der Zustände in Süddeutschland viel beigetragen. Vgl. (K. J. Weber,) „W.s Geist, herausg. von W. jun.» (Stuttg. 1823); Fr. Ebeling, «Wilhelm Ludwig W., Leben und Auswahl seiner Schrifteny (2. Aufl., Berl. 1869).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 496Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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