FeedCousin (Victor)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Cousin (Victor), hervorragender franz. Philosoph, Schriftsteller und Politiker, geb. 28. Nov. 1792 zu Paris, war Veglins der dortigen Normalschule, wurde 1814 Lehrer an dieser Schule und 1815 Royer-Collards Stellvertreter an der Sorbonne, wo er, im Sinne der damals gangbaren Reaktion gegen den Sensualismus des 18. Jahrh., die von seinem Vorgänger nach Frankreich gebrachten Lehren der schott. Philosophie vortrug. Eine erste Reise nach Deutschland (1817) bekehrte ihn zu der kühnern Metaphysik von Kant, Fichte, Schelling und brachte in seine Vorlesungen 1819 —21 eine freisinnige Richtung, die mit den Rückschrittsideen der gleichzeitigen Politik unverträglich erschienen. Zuerst untersagte man ihm auf eine Zeit lang die Ausübung seines Docentenamts an der Sorbonne, und die Auflösung der Normalschule (1822) entfernte ihn vollends aus dem öffentlichen Unternichtswesen. Er übernahm nun die Stelle eines Privatlehrers bei einem Sohne des Marschalls Lannes und machte 1824 eine zweite Reise nach Deutschland. In Dresden auf Betrieb der preuß. Regierung verhaftet, wurde er nach Berlin abgeührt und erlitt daselbst eine kurze Gefangenschaft. ei seiner Rückkehr nach Frankreich warf er sich ganz in die Opposition, und als 1827 das Martignacsche Ministerium an die Stelle des Villeleschen Kabinetts trat, wurde er in seinen Lehrstuhl wieder eingesetzt. C. teilte nun mit Guizot und Villemain den unermeßlichen, in den Annalen der Sorbonne beispiellosen, teils von dem Talent des berühmten Lehrertriumvirats, teils von dem Glückder Umstände Rumpfes der Beifall. Nach dem Ausgange des ampfes der Julitage 1830 wurde er in kurzer Zeit zum Staatsrat, Oberaufseher des öffentlichen Schulwesens, Mitglied der Französischen Akademie und der neugestifteten Akademie der moralischen und olit. Wissenschaften, zum Direktor der Normalschule und zum Pair von Frankreich (1832) ernannt. Im Mai 1831 unternahm er im Auftrag des Unterrichtsministeriums eine Reise nach Deutschland, um das Unterrichtswesen, vornehmlich in Preußen, kennen zu lernen und authentische Dokumente darüber zu sammeln. Die Resultate dieser Reise enthält seine Schrift „De l'instruction publique dans quelques pays de P'Allemagne, et particulièrement en Prusse (3. Aufl., 2 Bde., Par. 1840; deutsch von Krüger, 2 Bde., Altona 1832—33). Zu gleichem Zwecke bereiste er später die Niederlande und berichtete über diese Neise in der Schrift De Pinstruction publique en Hollande (Par. 1837). In dem achtmonatlichen Ministerium Thiers vom 1. März 1840 —4 ᷓ— C. das Unterrichtsministerium, wie er überhaupt seit 1830 eine große Thätigkeit für das gesamte vo Unterrichtswesen entwickelte. Er hatte sowohl von den Demokraten wie von dem Klerus die heftigsten Angriffe auszuhalten, die auch dann à nachließen, als er nach der Niederlegung des Ministeriums in der Pairskammer gegen seinen alten Freund Guizot auftrat und die Philosophie und das öffentliche Unterrichtswesen verteidigte. Die Revolution von 1848 machte C.s öffentlichem Leben ein plötzliches Ende, und er nahm seine litterarische Thätigkeit wieder auf, die sich namentlich in dem Fache der histor. Charakter⸗ und Sittengemälde glänzend von einer neuen Seite zeigte. C. starb 13. Jan. 1867 zu Cannes. Als Philosoph hielt er sich, ein Schüler von Royer-Collard und Maine de Biran, anfangs an die psychol. Methode und war geneigt, die ganze Philosophie auf die Hem Eriiuden des Geistes einzuschränken. Nachdem er in den Strom der deutschen Metaphysik gelangt, entwickelte er deren Lehren und Spekulationen mit einem so hinreißenden Fluß und Feuer der Rede, daß man ihn zu ihren eifrigen Anhängern zählen mußte. Seine eigene Lehre bezeichnete er als Cklektizismus und von der überzeugung aus, daß die wahre Philosophie durch alle Systeme hindurch sich entwickele, wurde er ein eisriger Beförderer des Studiums der Geschichte der Philosophie. Abgesehen von den philosophisch gelehrten Arbeiten, die er selbst unterwesen veranlaßte er im öffentlichen Unterrichtswesen und in andern Kreisen eine bedeutende Bewegung auf dem Gebiete der geschichtlichen und wissenschaftlichen Forschung. Er machte dabei den eklektischen Spiritualismus zum Endzweck und Mittelpunkt, obschon er selbst nicht mit sich im Reinen war über das, was man darunter zu verstehen habe. Fülle und Kraft des Stils machen ihn, wenn auch mißt, sind unter K aufzusuchen. nicht zu einem der ersten Denker, doch zu einem der vorzüglichsten franz. philosophischen Schriftsteller seiner Zeit. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: «Cours de I'histoire de la philosophiep (7.Aufl., 8 Bde., Par. 1866), Cours d'histoire de de la philosophie modernes (Par. 1841), (Cours d'histoire de la philosophie morale au XVIII' sièclev (5 Bde., Par. 1840 —41), Fragments philosophiqueso (Par. 1826 u. öfter), wozu sodann eine Menge von Bänden gleicher Art hinzukam, endlich (Histoire générale de la philosophier (Par. 1864). Später veröffentlichte er eine Reihenfolge von Studieno über ahrh in 5 und gesellschaftlichen Zustände des 17. Jahrh. in Frankreich, wie Madame de Longuevilles (1853), (Madame de Sablér (1854), (Madame de Chevreux et Madame de Hautforto (1856), La société française au XVIIL siècle (2 Bde., Par. 1858), La jeunesse de Mazariny (Par. 1865) u. s. w. Außerdem war C. Mitarbeiter an verschiedenen Zeitschriften, besonders am MJournal des Savantso. Auch besorgte er eine . Pan. dige Ausgabe der Werke Abälards (2 Bde., Par. 1849 u. 1859) und eine übersetzung von Platos sämtlichen Werken (13 Bde., Par. 1825—40). Eine Gesamtausgabe seiner Schriften hatte er in 22Bänden (Par. 1846—47) veranstaltet. Vgl. Fuchs, Die Philosophie Victor C.8v (Berl. 1847); Alaux, La philosophie de C.t (Par. 1864). Consinéry (Esprit Marie), berühmter franz. Numismatiker, geb. zu Marseille 8. Juni 1747, widmete sich der diplomatischen Laufbahn und ward 1771 Konsulatskanzler in Triest, 1773 Konsul in Salonichi, 1779 Vizekonsul in Smyrna, 1784 Konsul in Rosette und endlich 1786 Generalkonsul in Salonichi. Während dieser verschiedenen Missionen sammelte er über 10000 bis dahin unbekannte und interessante, namentlich griech. Münzen, mit denen er unter andern die Münzkabinette von München, Paris, Wien bereicherte. Er starb 17. Jan. 1833. Unter seinen numismat. Werken sind hervorzuheben; „Catalogue raisonné des médailles qui ont été frappées par les princes croiséso (Par. 1822) und Essai historiqueè et critique sur les monnaies Cargent de la Ligue Achéenne, accompagné de recherches sur les monnaies de Corinthe, de Sicyone et de Carthage (Pax. 1825).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 646Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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