FeedWelcker (Karl Theod.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Welcker (Karl Theod.), hervorragender liberaler Publizist, Politiker und Staatsrechtslehrer, der Bruder des vorigen, geb. 29. März 1790 zu Oberofleiden, einem Dorfe des Ohmthals in Oberhessen, studierte 1807—11 in Gießen und Heidelberg die Rechte. Schon auf der Universität begann ber das 1813 veröffentlichte Werk«Die letzten Gründe von Recht, Staat und Strafev, das ihm einen ehrenvollen Ruf erwarb. Im J. 1813 habilitierte er sich in Gießen und 1814 wurde er dort außerord. Professor. Er veröffentlichte die Schrift «Deutschlands Freiheit, eine Rede an die Fürsten und das Volto, in welcher er außer freier Landesrepräsentation auch ein Nationalparlament forderte. Im Herbst 1814 wurde er Professor der Rechte in Kiel und schrieb hier mit Falk, Dahlmann, Twesten u. a. die Kieler Blättero, die großen Einfluß hatten und besonders die Verfassungsfragen scharf erörterten. Im J. 1816 folgte er einem Rufe an die Universität zu Heidelberg, von wo er 1819 nach Bonn berufen ward. Sein Streben für die Herstellung der verheißenen Verfassungszustände verwickelte ihn in Bonn wenige Wochen nach seiner Ankunft in die Untersuchung wegen demagogischer Umtriebe, welche mit seiner Freisprechung endigte. Im Frühjahr 1823 ging W. als Professor der Rechte nach Freiburg in Baden. Hier schrieb er zunächst die Aktenmäßige Verteidigung gegen die Verdächtigung der Teilnahme an demagogischen Umtrieben»(Stuttg. 1823). Dann begann er das Werk «Das innere und äußere System der natürlichen und röm.⸗cristl.⸗ german. Rechts⸗, Staats- und Gesetzgebungslehrer (Stuttg. 1829), von welchem nur der erste Band erschienen ist. Im Dezember 1830 übersandte er dem Bundestage seine viel Aufsehen erregende Petition «Die vollkommene und ganze Preßfreiheit u. s. w. » amt Cttenheim an Im J. 1831 für das bad. Oberamt Ettenheim zum Abgeordneten in die Kammer gewählt, kämpfte er für die Aufrechthaltung des konstitutionellen Systems. Darauf gründete er mit Rotteck und Dettinger das erste censurfreie Zeitblatt«Der Freisinnige, das ungemeine Verbreitung fand. Das Blatt wurde aber vom Bundestage unterdrückt und W. und Rotteck in Ruhestand versetzt. In dem darauffolgenden Prozeß wegen verdächtiger Verbindung wurde W. freigesprochen. Hierauf unternahm er mit Rotteck die Herausgabe des »Staats-Lexikono (12 Bde., Altona 1834, 2. Aufl. 1846 -48; 3. Aufl., 14 Bde., Lpz. 1856—66). Im August 1840 wurde er als Professor wieder in sein Amt eingesetzt, jedoch im Oktober 1841 abermals suspendiert. Er zog nun nach Heidelberg, wo er regen Anteil an den Kammerverhandlungen nahm. Aus Prozessen, die ihm die Schriften »Wichtige Urkunden über den Rechtszustand deutscher Nationen o und Die geheime Inquisition, die Censur und Kabinettsjustiz im unheilvollen Bunder zuzogen, ging er siegreich hervor. Im März 1848 nahm W. am Siebener-Ausschuß zu Heidelberg teil, welcher den Zusammentritt des Vorparlaments in Frankfurt vorbereitete, und ward zugleich von der bad. Regierung als Bundestagsgesandter nach Frankfurt geschickt. Die Stadt Durlach wählte ihn zum Abgeordneten in die Nationalversammlung, wo er zum rechten Centrum gehörte und sich als Vorkämpfer der großdeutschen Partei bewies. Außerdem ging er im Juli 1848 als Bevollmächtigter des Deutschen Bundes nach Ratzeburg, im August im Auftrag der Centralgewalt in diplomatischer Mission nach Schweden und übernahm auch im Olktober mit Oberst Mosle die Sendung nach Osterreich. Am 12. März 1849 brachte W. den Antrag in die Nationalversammlung, die deutsche Reichsverfassung, wie sie der Ausschuß für die zweite Lesung zusammengestellt, durch einen Gesamtbeschluß anzunehmen und die erbliche Kaiserwürde dem König von Preußen zu übertragen. Dieser Vorschlag ward indessen 21. März verworfen. W. schied im Juni 1849 aus der Nationalversammlung, nahm auch als Bevollmächtigter der bad. Regierung bei der Centralgewalt seine Entlassung, wurde zwar 1850 wieder in die bad. Kammer gewählt, zog sich aber bald vom polit. Schauplatz völlig zurück. Er wirkte nun als Schriftsteller, als Mitglied des Nationalvereins und der Abgeordnetenversammlungen. Nach dem Kriege von 1866 agitierte er für Bildung einer »Deutschen Parteiv aus Mitgliedern aller vier Südstaaten, bei deren Zusammentritt in Stuttgart er zum Vorsitzenden erwählt ward. Er starb zu Heidelberg 10. März 1869. Von seinen Schriften sind noch anzuführen: «Die rechtliche Begründung der bad. Reformo (Frankf. 1861) und «Der preuß. Verfassungskampfo (Frankf. 1863).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 534Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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