FeedWeltuntergang
VerkehrBrockhaus 1882

Weltuntergang heißt die in vielen Religionen sich findende Idee, daß die jetzige Welt vernichtet würde und eine bessere, glücklichere Welt ihr nach-Inob würde; die christl. Kirche bringt diese Katatrophe mit der Wiederkunft Christi in Verbindung. Weltverkehr. Der Ausgleich zwischen Erzeugung und Verbrauch in der gegenwärtigen, auf einer ebenso weit als intensiv ausgebildeten Arbeitsteilung beruhenden Organisation der Weltwirtschaft kann nur mit Hilfe der Verkehrsmittel vollzogen werden. Weltproduktion, Massenabsatz und internationaler Austausch der Güter und Produkte sind daher korrelate Thatsachen, deren jede zugleich Ursache und Wirkung ist. Eins bedingt das andere. Die Erweiterung und Verbesserung des Postdienstes, die Ausdehnung der Telegraphenlinien, der Ausbau des Eisenbahnnetzes und der Kanäle, endlich die Vermehrung der Handelsflotte sind ebenso Wirkungen der gesteigerten Weltindustrie, wie sie letzterer ermöglichen, ihre Wirksamkeit auf immer weitere Gebiete auszudehnen. Die organischen Wechselbeziehungen zwischen Produktion und Verkehr bilden den Begriff des Weltverkehrs. Seine Geschichte liefert zahlreiche Umwandlungen und Phasen, sowohl was den Schauplatz und die hauptsächlichsten handelnden Völker, als auch was die Produkte betrifft. Die ältesten Gebiete des W. sind die nordafrik. Küste (Agypten), die kleinasiat. Küste (Phönizien) und das Mittelmeergebiet, weiterhin er Hauptschauplatz des W. während des Altertums und im frühen Mittelalter ist das Mittelmeer. Daneben geht ein uralter Welthandel der Serer (China) 900 v. Chr. nach dem Westen (Samarkand) und bis zu den Wolgaländern. Ein ebenso lebhafter überlandhandelsweg geht von 800 v. Chr. ab von Italien (Etrurien) über die Alpen durch die Donauländer bis tief nach Germanien hinein, so- wie am Rhein entlang nach Belgien und Britannien. Im Mittelmeer sind lange Zeit Sidon, Tyrus, Alexandrien, Puteoli, Panticapäum und Massilia die Hauptstapelplätze des W. gewesen. Mit der Entdeckung des Seewegs nach Ostindien und Amerika im 15. Jahrh. treten zwei neue gewaltige Gebiete in den W. ein. An Stelle der Phönizier, Agypter, Griechen, Italiener (Venedig, Genua) bemächtigten Portugiesen, Spanier, Holländer und Engländer sich des Welthandels, dessen Hauptstapelplätze nacheinander Lissabon, Sevilla, Amsterdam, Brügge, London werden. Das Ende des 18. Jahrh. macht mit dem Eintritt der Nordamerikanischen Union in die Geschichte den Atlantischen Ocean zum Hauptschauplatz des W. Seitdem ist derselbe zu so großartigem Aufschwun gelangt, daß alle Weltteile und Oceane daran teilnehmen und daß die Hochflutwoge des W. ebenso in Brisbane und Java, wie in Tokio, Peking, Liverpool, London und Neuyork oder San-Francisco gefühlt wird. Der Gegenstand des W. ist die Weltwirtschaft und die Gesamtheit ihrer Produkte; außerdem gehört dazu die Bewegung der Bevölkerung auf internationalem Gebiete, endlich im weitern Sinne genommen auch der gesamte Ideenaustausch der Menschheit. Es ist überaus schwierig, diese Anteilsfaktoren des W. ziffermäßig darzustellen. Der Versuch einer Zusammenstellung der Einfuhr und Ausfuhr ergibt für die einzelnen Weltteile (nach Neumann-Spallarts Untersuchungen) folgende Ziffern: Einfuhr Ausfuhr In welchem Maße die einzelnen wichtigern Rohprodukte an dem W. beteiligt sind, ergeben die weitern Zahlen. Der Getreidehandel der Erde weist 1881 einen Gesamtumsatz von 6026,190 Mill. Mark auf (Einfuhr 3034 Mill., Ausfuhr 2992,3 Mill.); der Wert des Vieh⸗ und Mart Austat betrug für 1881: Einfuhr 960 Mill.“ ark, Ausfuhr 926 Mill. Mark. Welche Mengen Nährstoffe, Genußmittel u. s. w. produziert werden, läßt nachfolgende Tabelle in großen Umrissen erkennen. (Angaben für 1 Jahr nach Durchschnittsberechnungen 1875—81.) Weizen 706 Mill. Hektoliter Mais 555 „ „ (Buchweizen, Hirse u. a. 124 Laffee·. 6 Mill. Metercentner. S Tabkk 225 „ »„ ohtabah. Weiin 114 » Hektoliter. Rohrzucker .. 25091 510 Meterctr. (Export). 2 —2 —. — 4420 Mill. Pfund brutto. S] Wolle... 865 » Kilogramm. Rohseide. 15½ 5 »(davon etwa Roheisen (1882), a) Europa 16 445 024 t (zu 3Gold (1882) 158 836 kg = 443 111 000 Mark. 3Silber (1882) 2 702 395 Kg 480435000 Mark. EKohlen (1882) 382 Mill. Metertonnen (die Noch schwieriger ist die Ziffer der internationalen Völkerbewegung festzustellen. Es stehen hierfür nur die Auswanderungszahlen zu Gebote. Dasjenige Gebiet, welches auf die vor der Konkurrenz des Angebots fliehenden Menschenmassen des dichtbevölkerten CEuropa die größte Anziehungskraft ausübte, war bisher (d. h. bis 1874 und dann von 1879 ab) die Nordamerikanische Union. Dort wanderten nach offiziellen Angaben ein: im Fiskaljahr 1870/71 321 350 Menschen 1 v 1872/73 459 803 v v 1881/82 788 992 * und nach Australien: Diese bedeutenden Menschen⸗ und Gütermassen, denen noch zahlreiche andere Rohstoffe und Manufakturwaren . (3.B. die Konfektionsgegenstände von Paris und Berlin) bedürfen ebenso großartig entwickelter Verkehrsmittel, um den Austausch von Land zu Land, von Weltteil zu Weltteil zu ermöglichen, also namentlich der Eisenbahnen (s. d.) und der Schiffe. (S. Dampfschiffahrt.) Die Vermittelung endlich der geistigen Bewegung, des Ideenaustausches, wird vom Postwesen (s. d.) bewirkt, unter dessen neuesten Schöpfungen der Weltpostverein (s. d.) für die Verbreitung der Kulturideen, sowie für die Vermittelung des eschäftlichen und familiären Verkehrs den höchsten Rang einnimmt. Erst durch die Erleichterung der Versendungsbedingungen, namentlich durch die Weltpost-⸗Einheitstaxe von 25 Centimes — 20 Pf. für den einfachen bis 15g schweren Brief und durch die Herstellung eines einzigen Weltpostgebiets, in dem unbedingte Freiheit des Brieftransits gilt, ist die Annäherung der Völker und die Vermischung der Grenzen der einzelnen Länder für den Gedankenaustausch zur Thatsache geworden. Die Wichtigkeit des Briefverkehrs spricht sich in der ungeheuern Briefzahl von 10 000 Mill. Briefpostsendungen aus, welche alljährlich auf der ganzen Erde kursieren. In der Nachrichtenvermittelung wird die Post durch die elektrische Telegraphie, das glänzendste und schnellste Verkehrsmittel der Neuzeit, in früher ungeahntem Maße unterstützt. In den dreißiger Jahren zum ersten mal praktisch anewendet (Weber, 1833 in Göttingen), hat sie in dieser kurzen Zeit den Erdkreis mit einem Netze von etwa 1 Mill. Kilometer Länge und 2½ Mill. Kilometer Drahtentwickelung überzogen; ihre unterirdischen und submarinen Kabel machen die teleir ische Korrespondenz von jedem Einfluß der itterung und der Meeresströmungen unabhängig; 200 Mill. Telegramme jährlich vermitteln mit der Schnelligkeit des Blitzes den Gedankenaustausch in Staats⸗, Familien⸗ und Handelsangelegenheiten. Bewundernswert ist die Energie des Menschen bei Legung der submarinen Kabel zwischen Europa und Amerika gewesen; trotz zahlreicher Unfälle, Durchbrechungen der Kabel und Dderp 5 aller Art lagern jetzt 10 Kabel auf dem Boden des Atlantischen Meeres, um den Gedanken hinüberzutragen. In das Eigentum der Kabel teilen sich fünf Gesellschaften, die Anglo-American Telegraph Company (vier Kabel), die Direct United States Cable Company (ein Kabel), die Compagnie française du Télégraphe de Paris à New-Vork (ein Kabel), die American Telegraph and Cable Company (zwei Kabel), die Commercial Cable Company (zwei Kabel). Außerdem liegen noch im Atlantischen Ocean die Westernkabel (Lissabon-Pernambuco) und Easternkabel (Falmouth-Cadiz-Teneriffa-Kapstadt), ferner die amerik.⸗westind. und die brasil. submarinen Kabel. Im Mittelmeer verbinden: ein Kabel Gibraltar-Malta und Alexandria, drei Kabel Marseille-Algier, zwei Kabel Marseille-Bona-Alexandria. Im Roten Meere schließen sich daran die Kabel nach Bombay (Indien). Die größten iberlandlinien sind die der Großen Nordischen Gesellschaft von Haparanda (Finland) über Petersburg, oskau, Kasan, Omsk, Irkutsk nach Nikolajewsk am Ochotskischen Meer, sowie die Große Indo-Europäische Linie von London über Rußland, Persien (Fao-Bushire) nach Gwadur und Kurrachee, und von Bombay nach Kalkutta, Java, Sumatra. Hieran schließt sich in Singapore das Kabel nach Port Darwin mit der austral. überlandlinie nach Augusta, Sydney, Adelaide, Brisbane, Neuseeland. In Südamerika und Nordamerika reichen die überlandlinien bis Valparaiso, Panama und San-Francisco, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis mit dem letzten submarinen Kabelgliede San-Francisco-Jokuhama der elektrische Gürtel um die Erde geschlossen sein wird. Die hierzu gehörige übersichtskarte des Weltverkehrs zeigt die internationalen, belgischen, spanischen, portugiesischen, österreichis chungarischen und amerikanischen Telegraphenlinien, die britischen, deutschen, französischen und niederländischen Postdampfschifflinien, sowie die Datumscheidelinie (s. Artikel: Länge, Bd. X, S. 8005), und gewährt zugleich einen Uberblick über die Länder des Weltpostvereins. Neuerdings ist in die Reihe der Weltverkehrsmittel auch der Fernsprecher (s. Telephon) getreten, indem die technische Vervollkommnung der Apparate es gestattet hat, die bisher nur im Innern der Städte angelegten Telephonverbindungen auf den internationalen Verkehr auszudehnen. Eine gewaltige Arbeitsleistung ist diejenige der Eisenbahnen für den Transport von Menschen und Gütern. Ende 1885 bezifferten sich die Eisenbahnnetze: b) in Asien 20051 e) in Australien 13 054 eine Ausdehnung, welche die mittlere Entfernung des Mondes von der Erde um etwa 90000 km übertrifft. Die stärkste Entwickelung zeigt das Netz Sachsens und Belgiens, wo auf je w100 qEm 14,8 und 14,7 km Bahnlänge entfallen. Die Anlagekosten der Ende 1884 in Europa vorhanden gewesenen Eisenbahnen belaufen sich auf 56 520 750 821 Mark, der Eisenbahnen in den Vereinigten Staaten von Amerika auf 32717382 300 Mark, in Britisch-Indien auf 2843 862 588 Mark, in Canada auf 1619593 000 Mark; auf der ganzen Erde etwa auf 104 Milliarden Mark. (Vgl. »Archiv für Eisenbahnwesenv.) Einen großartigen UÜberblick über den W. gewährt die Aufzählung der Handelsflotte der Erde. Es waren vorhanden (1884): in Europa 80 688 15 178 995 11 226 5 514 71² in Asien 21 590 137²2 187 88 0 699 in Afrika 3 138 128 235 48 28 965 in Amerika 44 40⁵ 6 285 668 5 47⁰ 1532 00⁵ in Australien 2358 266 585 575 69 10⁰ Zusammen 152 179 23 231 67⁰ 1740 7185 481 Allein den Atlantischen Ocean durchfurchen täglich etwa 1500 Schiffe, davon etwa 300 der größten Salondampfer. Auch das Mittelmeer und der Suezkanal sind belebte Straßen des W., ihnen reiht sich, nachdem Deutschland unter Subvention des Reichs regelmäßige Postdampferlinien nach Ostasien und Australien errichtet hat, der Indische Ocean und der ostasiat. Teil des Großen Oceans an. Verhältnismäßig am wenigsten befahren ist der Große Ocean zwischen San⸗-Francisco und Jokuhama.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 545Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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