FeedWenzel J.
GeschichteBrockhaus 1882

Wenzel J., König von Böhmen (1230 —53), übernahm nach seinem Vater Ottokar J. das Reich in wohlgeordneten Verhältnissen. Nur einen langwierigen Streit mit Herzog Friedrich dem Streitbaren von Ssterreich führte er als Erbschaft seines Vaters fort. Im Kampf zwischen Kaiser Friedrich II. und den Päpsten neigte sich Wenzel je nach seinem Vorteile bald auf des Kaisers, bald auf des Papstes Seite. Als der Mongolensturm Böhmen zu erreichen drohte, zog W. dem Herzog Heinrich dem Frommen von Breslau zu Hilfe, kam aber zur chlacht von Wahlstatt (9. April 1241) zu spät. Dagegen nahmen seine Truppen Anteil an dem siegreichen Kampfe bei Olmütz, durch welchen die kongolen gezwungen wurden, Mähren zu räumen. In den letzten Jahren seiner Regierung, als W. sich ganz und gar der welfischen Partei angeschlossen hatte, Mußlte er die Waffen gegen seinen eigenen Sohn Ottokar wenden, der sich auf die Seite des gebannten Kaisers Friedrich II. gestellt hatte. Ottokar bemächtigte sich der Hauptstadt Prag und drängte seinen Vater in das nördl. Böhmen (1248). Hier kam es zu einem für den Sohn unglücklichen Kampfe bei Brüx und zu einem Vertrage in Prag, dem zufolge Vater und Sohn gemeinschaftlich die Regierung führen sollten. Durch die Einmengung des Papstes Innocenz IV. brach der Kampf von neuem aus. Ottokar mußte sich flüchten und söhnte sich endlich mit dem Vater wie mit der kirchlichen Partei aus. W. starb 22. Sept. 1253. Auf einer Jagd hatte er sich einst ein Auge ausgestoßen, weswegen er auch der Einäugige genannt wurde. Der Bildung nach war er deutsch; er hat sich angeblich selbst im Minnegesang versucht. Mit Vorliebe begünstigte er die Ansiedelung deutscher Mönche im Lande und förderte die Einwanderung deutscher Bürger und Bauern.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 552Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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