Friedrich (Christian August), Herzog zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, der älteste Sohn des Herzogs Christian Karl 5 Augn August, wurde 6. Juli 1829 im Schloß Augustenburg auf der Insel Alsen geboren. Infolge der Erhebung Schleswig-Holsteins 1848 flüchtete F. mit seinem jüngern Bruder Christian 26. März von Alsen, wo sie sich vor der dän. Marine nicht mehr sicher glaubten, nach dem Festlande, wo sie in die schlesw.⸗holstein. Armee eintraten und F. dem dreijährigen Kriege gegen Dänemark als Offizier im Generalstabe beiwohnte. Nach der Restauration der dän. Herrschaft wurde die ganze augustenburgische 348 P Friedrich Christian (Herz. v. Schlesw. Familie aus dem Lande verwiesen. Der Prinz studierte hierauf zwei Jahre lang in Bonn und trat in die preuß. Armee ein, welche er 1856 als Major à la suite im 1. Garderegiment zu Fuß wieder verließ. Er kaufte das Rittergut Dolzig in der Niederlausitz und vermählte sich 11. Sept. 1856 mit der Prinzessin Adelheid von Hohenlohe-Langenburg. Seitdem lebte er auf seinem Gute in Zurückgezogenheit, aus der er nur einmal hervortrat, um durch ein an den König Friedrich VII. von Dänemark gerichtetes Schreiben vom 15. Jan. 1859 seine Erbansprüche zu wahren. Erst nach dem Tode König Friedrichs VII. betrat er den polit. Schauplatz, indem er in einer Proklamation vom 16. Nov. 1863 erklärte, daß er nach dem Verzicht seines Vaters als nächstberechtigter Erbe edie Regierung der Herzogtümer Schleswig-Holstein antretes, und zugleich erhob er Ansprüche auf Lauenburg. Durch ein weiteres Patent vom 5. Dez. verfügte er als „Herzog F. VIII.o die Aufnahme einer freiwilligen Anleihe zur Beschaffung der erforderlichen Geldmittel für die Herstellung einer schlesw.⸗ holstein. Armee. In einem Schreiben vom 2. Dez. suchte er den Kaiser Napoleon für seine Augustenburgischen Rechte zu gewinnen. Eine Anzahl deutscher Fürsten erkannte den Herzog sofort an; der Deutsche Bund behielt sich seine Entscheidung vor. In den Herzogtümern erklärte sich alsbald ein großer Teil der Bevölkerung für ihn, und kaum war Holstein durch die einrückenden Bundestruppen von den Dänen befreit, so ward er daselbst 27. Dez. von der großen Volksversammlung in Elmshorn als rechtmäßiger Landesherr proklamiert. Der Prinz traf 30. Dez. 1863 in Glückstadt ein und begab sich von da nach Kiel, wo er seitdem abwechselnd ein Stadthaus und eine Villa im benachbarten Düsternbrook bewohnte. Indes schienen nur kurze Zeit sich die Verhältnisse für F. günstig zu gestalten, indem auf der Londoner Konferenz 28. Mai 1864 Ssterreich, Preußen und der Deutsche Bund als eine eventuelle friedliche Lösung die sofortige Einsetzung des Erbprinzen als Herzog von Schleswig-Holstein in Vorschlag brachten. Allein dieser Antrag wurde von Dänemark verworfen und damit hinfällig. Gleichzeitig entfremdete sich der Erbprinz die preuß. Sympathien. Andererseits trat nunmehr der Großherzog von Oldenburg als zweiter Prätendent von Schleswig-Holstein auf, und beide wurden von Bundes wegen aufgefordert, ihre Erbansprüche zu begründen. F. reichte seine Eingaben 1. Sept. und 3. Nov. 1864 bei der Bundesversammlung ein. Die thatsächliche Entscheidung aber lag allein bei Preußen und Gsterreich, welche inzwischen durch den Wiener Frieden und den Rückzug der Bundesexekutionstruppen in den Besitz der Herzogtümer Schleswig-Holstein und Lauenburg gelangt waren. Infolge dessen machte F., in dieser Sache von Osterreich und von dem freilich gänzlich machtlosen Bundestage unterstützt, noch mehrere vergebliche Versuche, seinen Ansprüchen auf die Thronfolge in den Herzogtümern Geltung zu verschaffen. Seine Verhandlungen mit Preußen führten zu keinem Resultat. In der Unterredung, welche er 1. Juni 1864 in Berlin mit Bismarck hatte, teilte ihm dieser die Bedingungen, unter welchen ihn Preußen als Herzog anerkenne, mit; allein F. lehnte die einen ab und hinsichtlich der andern berief er sich auf die Zustimmung des erst zu berufenden schleswig⸗-holstein. Landtags. Gegenüber den später in der Depesche vom 22. Febr. 1865 präzisierten Forderungen, wonach Preußen die Verfügung über die See⸗ und Landmacht der Herzogtümer beanspruchte, verlangte er seine sofortige unbedingte Einsetzung und wollte über etwaige Konzessionen an Preußen erst mit dem Landtage verhandeln. Auf dies hin ließ Bismarck seine Prätendentschaft fallen. Als durch den Gasteiner Vertrag Holstein unter die Verwaltung OÖsterreichs, Schleswig unter die Preußens gekommen war, überschritt der Erbprinz, der sich damals in Holstein aufhielt, 14. Okt. 1865 die schlesw. Grenze und begab sich zunächst nach Eckernförde, um sich dort landesherrliche Ehren erweisen zu lassen, wurde jedoch von seiten der preuß. Verwaltung (Militär⸗ und Civilgouverneur General von Manteuffel) für den Fall einer Wiederholung mit Verhaftung . 2 und an weitern Schritten der Art gehindert. Als nach dem Einmarsche der Preußen in Holstein die österr. Truppen unter dem Statthalter Feldmarschalllieutenant von Gablenz 12. Juni 1866 Holstein verließen, entfernte sich auch F. nach 2½jährigem Aufenthalt aus Holstein. Der nunmehr ausbrechende Krieg zwischen den beiden deutschen Großmächten entschied au das Geschick Schleswig-Holsteins, das durch den Prager Frieden an Preußen fiel. (S. Schleswig-Holstein.) Eine Proklamation, die der Erbprinz 17. Juni 1866 von Liebenstein aus an die Schleswig-Holsteiner gerichtet hatte, verhallte fast ungehört; ebenso die formelle Verwahrung, die er nach dem Kriege einlegte. Der Prinz lebte seitdem als Privatmann auf seinem Gute Dolzig oder in Gotha. Als 11. März 1869 sein Vater starb, folgte er ihm im Titel als Herzog zu Schleswig-Holstein. Am Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und 1871 nahm F. im Generalstabe des Kronprinzen von Preußen teil. F. starb 14. Jan. 1880 in Wiesbaden. Die Leiche wurde 17. Jan. nach Schloß Primkenau in Schlesien übergeführt und in der dortigen Familiengruft beigesetzt. Der Herzog hinterließ fünf Kinder: Prinzessin Augusta Victoria, geb. 22. Okt. 1858, vermählt 27. Febr. 1881 mit dem Prinzen Wilhelm von Preußen; Prinzessin Karoline Mathilde, geb. 25. Jan. 1860; Prinz Ernst Günther, geb. 11. Aug. 1863; Prinzessin Luise Sophie, geb. 8. April 1866; Prinzessin Feodora, geb. 3. Juli 1874. riedrich Christian, Herzog von eudtra dls Holstein, geb. 28. Sept. 1765 zu Augustenburg als Sohn des Herzogs Friedrich Christian, studierte zu Leipzig Philosophie und übernahm 1790 die Leitung des höhern Unterrichtswesens in Dänemark, in welcher Stellung er sich große Verdienste erwarb. Auch setzte er 1791 dem damals schwer erkrankten Schiller eine Pension von 1200 Thlrn. auf fünf Jahre aus, wofür der Dichter 1793 die Briefe über die ästhetische Erziehungo an ihn richtete. Nachdem F. 1794 durch den Tod seines Vaters Chef des Hauses geworden, widersetzte er sich dem Bestreben König Friedrichs VI., Holstein völlig mit Dänemark zu vereinen. Er starb 14. Juni 1814. Vgl. «Schillers Briefwechsel mit dem Herzog F. (herausg. von Max Müller, Berl. 1875).