Wenzel II., König von Böhmen (1278—1305), war sieben Jahre alt, als sein Vater, Ottokar II., in der Schlacht fiel. Er wurde bei seinem Vormunde, dem Markgrafen Otto dem Langen von Brandenburg, erzogen; als er 1283 nach Böhmen zurückkehrte, geriet er ganz unter die Herrschaft des Zawisch von Falkenstein, des Mächtigsten unter den Adeligen des Landes, der zudem durch die Vermählung mit Ottokars II. Witwe Kunigunde Stiefvater des Königs geworden war. Durch das Eingreifen des deutschen Königs Rudolf von Habsburg, des Schwiegervaters W.s, wurde der Falkensteiner vom Hofe entfernt. Da er zu konspirieren begann, wurde er gefangen gesetzt und später hingerichtet. W. verstand es, mit großer Geschicklichkeit seine Herrschaft zu erweitern. Nebst Oberschlesien und Krakau erwarb er Großpolen und ließ sich 1300 zum König von Polen krönen. Seinem Sohne aber verschaffte er nach dem Aussterben der Arpaden in Ungarn die St. Stephanskrone (1301). Bei den Wahlen Adolfs von Nassau, wie Albrechts I. zog er aus seinem Wahlrecht die möglichst größten Vorteile und erlangte insbesondere den Besitz von Eger und einiger Enklaven in Meißen. Vergeblich suchte Albrecht J. die immer bedrohlicher anwachsende Macht des Böhmenkönigs durch einen Kriegszug zu brechen. Er scheiterte an dem Widerstand Kuttenbergs (1304). Als der mar im nächsten Jahre erneuert werden sollte, starb W. 21. Juni 1305. In Böhmen blühten unter W. Handel und Gewerbe, besonders aber der Bergbau. Das Münzwesen wurde dauernd geordnet(Böhmische Groschen seit 1300), weise Gesetze nach allen Richtungen erlassen. In Polen wurde Ordnung hergestellt, Krakau befestigt, Neusandetzmit Magdeburgischem Recht gegründet und der böhm. Münzfuß eingeführt. Unter W.s Regierung breitete sich die deutsche Kolonisation und deutsche Kultur in Böhmen immer mehr aus. Seine maßgebenden Staatsmänner, deren Rat er sich unterwarf, waren der meißner Propst Bernhard von Kamenz, der Tempelritter Berthold von Geppenstein, Dietrich Abt von Waldsassen, Arnold Bischof von Bamberg und Peter Aichspalter, späterer Kirchenfürst von Basel und Mainz.