FeedWessobrunn
GeschichteBrockhaus 1882

Wessobrunn oder Wessenbrunn hieß ein im 8. Jahrh. von Herzog Thassilo aestiftetes Bene⸗ . diktinerkloster in Oberbayern, unfern des Lech, zwischen Schöngau und Weilheim. Vgl. Leutner, Mistoria monasterii Wessofontanio (Augsb. u. Freiburg 1753). In den jetzt in München besindlichen Handschriften dieses Klosters hat sich ein für die althochdeutsche Litteratur wichtiges Sprachdenkmal noch aus dem Ende des 8. Jahrh. erhalten, das sog. Wessobrunner Gebet, beginnend mit einer kurzen Schöpfungsgeschichte in altertümlich gehaltenen allitterierenden Versen, an die sich dann das eigentliche Gebet in prosaischer Rede schließt. Es ist sehr oft gedruckt und kommentiert und fast in alle altdeutschen Lesebücher aufgenommen worden. In neuerer Zeit versuchte man dem Ganzen metrische Form zuzuweisen; so namentlich Müllenhoff (De carmine Wessofontanos, Berl. 1861). Doch gelangten die Versuche nicht zur allgemeinen Geltung. Vgl. Wackernagel, Das Wessobrunner Gebeto (Berl. 1827). Später glaubte Wackernagel in dem Wessobrunner Gebet, welches in seinem ersten Teil höchst wahrscheinlich auf altsächf. Grundlage beruhe, ein Bruchstück und zwar den Anfang der altsächs. poctischen Bearbeitung des Alten Testaments zu finden, an welche sich der Heliand angeschlossen habe (in Zaichners und Höpfnerso Zeitschrifto, Bd. 1, Halle 1869).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 571Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6