Wichern (Joh. Hinrich), bekannt durch sein Wirken für die Angelegenheiten der Innern Mission, geb. 21. April w1808 zu Hamburg, besuchte das ohanneum und akademische Gymnasium seiner Vaterstadt und widmete sich dann zu Göttingen und Berlin theol. Studien. Er übernahm hierauf in Hamburg die Leitung einer Sonntagsfreischule für arme Kinder, in welcher er bald 4—500 Zöglinge, von 40 freiwilligen Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet, um sich vereinigte. Michaelis 1833 gründete er die unter dem Namen des Rauhen Hauses (. d.) bekannte Anstalt. Nach der Einrichtung dieser Anstalt wurden dann ähnliche Rettungshäuser in „Deutschland, Frankreich (Mettray bei Tours), England, Holland und andern Ländern begründet. Namentlich durch seine Mitwirkung kam auf dem ersten Kirchentage zu Wittenberg im Sept. 1848 der Centralausschuß für Innere Mission (s. d.) zu Stande. Von 1848 bis 1850 hatte W. im Auftrage der preuß. Regierung zur Regulierung der der 10000 oberschles. Typhuswaisen Vorschläge zu machen, die von Regierung und Kammern angenommen wurden. Im J. 1858 wurde er von der preuß. Regierung unter Ernennung zum Oberkonsistorialrat und vortragendem Rat im Ministerium des Innern mit dem Ressort des Gefängniswesens betraut. Zugleich gründete er in dieser Zeit das Cvangelische Johanyesstift bei Berlin. In der Schrift Die Innere Mission der deutsch⸗-evang. Kircher (Hamb. 1849) setzte er seine Grundansichten über die freie christl. Liebesthätigkeit und deren Verhältnis zu den kirchlichen und sozialen Fragen der Gegenwart auseinander. Seit 1844 gab W. die Fliegenden Blätter des Rauhen Hausess heraus. Ostern 1872 legte er sein Amt in Berlin nieder, übernahm die Leitung des Rauhen Hauses, zog sich aber 1873 wegen Krankheit gänzlich zurück. Er starb 7. April 1881 in Hamburg. Vgl. Krummacher, «Joh. Hinr. W.y (Gotha 1882); Oldenberg, „Joh. Hinr. W.y (Bd. 1, Hamb. 1884).