Wiertz (Anton Joseph), belg. Historienmaler, geb. 22. Febr. 1806 zu Dinant (an der Maas), wurde 1820 als Stipendiat in die Akademie zu Antwerpen aufgenommen. Nach zwölfjährigem Studium gewann er 1832 den sog. prix de Rome nebst fünfjährigem Reisestipendium. In Rom entstand das bedeutende Werk: der Kampf um den Leichnam des Patroklos. Die nächsten kolossalen Bilder waren: die Empörung der Engel, der Tod des heil. Dionys, ein Triptychon (Christus im Grabe, Eva und Satan), ein neuer umgearbeiteter Patroklos, die Flucht nach Agypten und sein Meisterstück, der Triumph Christi (1848). Der wachsende Ruhm des kühnen Künstlers verschaffte ihm endlich, mittels Staatssubsidien, ein den Dimensionen seiner Bilder angemessenes Atelier (das Musée Wiertzo) zu Brüssel. Nachdem er die J. 1848—53 auf Erfindung und Vervollkommnung seines amatte Malerei auf Leinwando benannten technischen Verfahrens verwendet, begann eine neue Periode seines Schaffens. Namentlich sind aus dieser Periode hervorzuheben: die letzte Kanone, der lebendig Begrabene, die Dinge der Gegenwart vor den Menschen der Zukunft, Napoleon in der Hölle, die Errungenschaften der Wissenschaften, die belg. Dame, Wiedersehen im Himmel, Christus und der Kampf der Parteien. Größere Bilder sind Polyphem und der Leuchtturm von Golgatha. W. starb 18. Juni 1865. Die Ausführung seines Willens, wonach aus dem Nachlasse an Gemälden ein besonderes Staatsmuseum gebildet werden sollte, wurde 1867 von der belg. Regierung mit den Erben vereinbart. W. leistete zugleich als Bildhauer Tüchtiges. Wie seine Malerkompositionen trugen auch seine litterar. Leistungen das Gepräge von Geistesschärfe und Gemütstiefe. Außer vielen zerstreuten kunstkritischen Aufsätzen und zwei Abhandlungen über die Peinture mates verfaßte er zwei gekrönte Preisschriften, ein Lob des Rubens (1840) und Caractères constitutifs de la peinture flamandep (Brüss. 1863). W. ragt hoch hervor unter den Künstlern der neuvläm. Schule sowohl durch den Schwung seiner Phantasie und die humanistische, soziale Richtung seines Strebens, als durch meisterhafte, wenn auch äußerst naturalistische und vielseitig abstoßend wirkende Behandlung, sowie durchdachte Einkleidung seiner Stoffe und den echt vläm. Stempel seiner Technik. Vgl. Labarre, «Antoine W.r (Brüss. 1866).