Windischmann (Karl Jos. Hieron.), deutscher Philosoph, geb. 24. Aug. 1775 zu Mainz, studierte seit 1792 auf der Universität daselbst. Der Einfall der Franzosen vertrieb ihn nach Würzburg, wo er das Studium der Philosophie mit dem der Medizin vertauschte. Nach seiner Rückkehr nach Mainz 1797 beschäftigte er sich in der Zurückgezogenheit mit Philosophie und Geschichte. Im J. 1801 folgte er dem Rufe als Hofmedikus des Kurfürsten von Mainz nach Aschaffenburg, wo er auch an der zum Teil hierher verlegten mainzer Universität Vorlesungen hielt. Zwei Jahre später wurde er ord. Professor der Philosophie und Universalgeschichte, 1811 Bibliothekar und erhielt 1818 an der neugegründeten Universität zu Bonn die kath. Professur der Philosophie; doch gehörte er auch der mediz. Fakultät an. Seine wissenschaftliche Richtung war fast ausschließend durch die ursprüngliche Form der Schellingschen Naturphilosophie bestimmt. Unter seinen frühern Schriften sind zu erwähnen: die »Darstellung des Begriffs der Physiko (in Schellings die „Ideen zur Physiks (Bd. 1, Würzb. 1805), aliber die Selbstvernichtung der Zeite(Heidelb. 1807) Kritische Betrachtungen über die Schicksale der Philosophie in der neuern Zeit u. s. w.» (Frankf. 1825), (Die Philosophie im Fortgange der Weltgeschichtes (Bd. 1 in 4 Abteil., unter dem Titel: Die Grundlage der Philosophie im Morgenlander, Bonn 1827—34), «über etwas, was der Heilkunde notthute (Lpz. 1824). Er starb zu Bonn 23. April 1839 während des Parteikampfes gegen die Hermesianer. Einer seiner Söhne, Friedrich W., geb. 13. Dez. 1811, widmete sich theol. und orient. Studien und erhielt 1836 die priesterlichen Weihen. Im April 1838 übernahm er eine außerord. Professur des Kirchenrechts und der neutestamentlichen Exegese zu München und im Jan. 1839 ein Kanonikat am Kollegiatstift St. Cajetan. Im Juli 1839 wurde er zum Domkapitular am Metropolitankapitel München-Freising, im Aug. 1843 zum Pönitentiar und 1846 zum Generalvikar des Erzbischofs ernannt. In letzterer Stellung wirkte er bis zu seinem Tode, der 24. Aug. 1861 zu München erfolgte. W.s wissenschaftlicher Ruf gründet sich auf seine Arbeiten über die orient., insbesondere die ind. und pers. Altertumskunde. Seine erste bedeutendere Leistung auf diesem Gebiete war die Schrift Sancara, seu de theologumenis Vedanticorumv (Bonn 1833). Später folgten: „Die Grundlage des Armenischen im arischen Sprachstammes (Münch. 1843), «Uber den Somakultus der Ariero (Münch. 1846), Ursagen der arischen Völkerv (Münch. 1853), Die pers. Anahita oder Anaitiso (Münch. 1856), Mithra. Ein Beitrag zur Mythengeschichte des Orientso (Lpz. 1857). Seine Arbeiten zur Kunde des pers. Altertums erschienen nach seinem Tode gesammelt in den «Zoroastrischen Studieno (Berl. 1863).