FeedWislicenus (Herm.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Wislicenus (Herm.), bedeutender Historienmaler, geb. 20. Sept. 1825 in Eisenach, ging 1844 nach Dresden auf die Akademie, wo er bei Bendemann und namentlich in Schnorrs Atelier seine Gemändr: Mifernt unter dessen Einfluß sein erstes Gemälde: Miseria und Abundantia (Galerie Dresden), entstand. Die Liberalität des Großherzogs Karl Alexander von Weimar verschaffte ihm hierauf die Möglichkeit eines längern Aufenthalts in Italien (1853 —57), wo besonders Cornelius auf ihn wirkte. Nach seiner Heimkehr arbeitete W. selbständig in Weimar und schuf eine Reihe durch Ernst und Grazie des Stils gleich ausgezeichneter Kompositionen, unter welchen hervorzuheben sind: die Nacht mit ihrem Gefolge (Weimar), die Deukalionische Flut, cyklische Komposition (1865), als klus von Wanddekorationen mythischen Inhalts, als Schmuck einer Loggia (im Museum zu Leipzig), Ruhmeshalle deutscher Dichter u. a. Den ersten Preis der on Kampfdes We Weimar erhielt er für den Karton Kampf des Menschen mit den Elementen (Museum in Weimar) und ebenso den ersten Preis für Kartons zur Ausmalung des Treppenhauses dieses Museums (noch nicht ausgeführt). Für das sog. Römische Haus in + führte er als Wandgemälde aus: Brutus als Richter über seine Söhne und die Mutter der Gracchen. Ferner schuf er ein Olgemälde: die Phantasie von den Träumen umgaukelt (Galerie Schack in München), und Psalmodierende Engel, Wandbild in der Chornische der Schloßkapelle zu Weimar. Im J. 1868 folgte W. dem Rufe als Prosessor an die Akademie zu Düsseldorf. Dort hatte er das Unglück, inmitten fruchtbarster Thätigkeit seine sämtlichen künstlerischen Studien, sowie mehrere der Vollendung nahe gebrachte Gemälde und Kartons beim Brande des Akademiegebäudes März 1872 zu verlieren. Die damals der Uberßepelume Arbeiten waren Erstlinge des seit der Übersiedelung in seine neue Heimat zum Durchbruch gekommenen Strebens, stilvolle Zeichnung mit dem Reize koloristischer Wirkung zu verbinden, ein Problem, dessen Lösung auch die neuesten Werke von W. mit wachsendem Erfolg anstreben. Hierher gehören die vier allegorischen Bilder der d. W. zeiten (Olgemälde, Nationalgalerie Berlin). W. erhielt 1877 bei der Konkurrenz um die Ausschmückung des großen Saals in dem neu Wres stellten Kaiserhause zu Goslar den ersten Preis. Gegenstand der Darstellung ist der Anfang, die Entwickelung und Erneuerung des deutschen Kaisertums. Infolge dessen wurde ihm vom preuß. Staate die Ausführung übertragen, mit welcher W. seitdem beschäftigt ist. Gouvernement Kjelze, Kreis Pintschow, an der Nida, mit 2520 E. Die Stadt war lange Ruf Sitz der Landtage der kleinpoln. Szlachta. Auf dem ersten solchen hier 1347 abgehaltenen Landtage wurde das sog. Wislizer Statut angenommen. (S. unter Polnisches Recht.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 700Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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