Wissenschaft heißt zunächst das Wissen selbst als Zustand des Wissenden, sodann der Inbegriff dessen, was man weiß. Im engern Sinne heißt W. der vollständige Inbegriff gleichartiger, nach durchgreifenden Hauptgedanken geordneter Erkenntnisse. Diese an sich bilden den Stoff, die Materie einer bestimmten W. Das bloße gedächtnismäßige Wissen dieses Stoffs ist Gelehrsamkeit im untergeordneten Sinne des Wortes. Ein bloßes Aggregat rein empirischer Erkenntnisse ist daher noch nicht W., bekommt aber durch die doppelte Rücksicht auf Vollständigkeit und Ordnung schon einen wissenschaftlichen Charakter, wie Nin⸗ in der Heraldik und Genealogie, der Botanik, Mineralogie u. s. w. So suchen sich namentlich die letztern zu Klassensystemen auszubilden. Der durchgreifende Hauptgedanke, das Prinzip des Systems genannt, ist dabei der Einteilungsgrund für die Arten der Tiere, der Pflanzen u. s. w. Aus solcher Grundlage einer bloßen Systematik wächst dann erst die W. im strengen Sinne als eine Erklärung und Zurückführung der Erfahrungsstoffe auf ihre tiefern Gründe und Zusammenhänge hervor. So gelangt man in allen W. bis zu gewissen letzten Prinzipien, aus denen erklärt wird, die sich aber vom Standpunkt einer einzelnen bestimmten W. aus nicht weiter erklären lasen. Die Untersuchungen, welche sich auf diese höchsten Prinzipien beziehen, bilden dann eine der Aufgaben der Philosophie. Der Versuch, das esamte menschliche Wissen überhaupt nach allen seinen verschiedenen Richtungen und Gegenständen als ein geordnetes System darzustellen, führt zu dem Begriff einer systematischen und di Pht Helfferich,Der Organismus der W. und die Philosophie der Geschichtes (Lpz. 1856).