FeedWladimir I. Swjatoslawitsch
ReligionBrockhaus 1882

Wladimir I. Swjatoslawitsch, mit dem Beinamen der Große oder der Heilige, Großfürst von Rußland, wurde 980, nach dem Tode seiner beiden Brüder, Herr des ganzen russ. Staats und vergrößerte denselben durch Besiegung verschiedener benachbarter Völker, sodaß unter ihm bereits das russ. Reich vom Dnjepr bis zum Ladogasee und bis an die Ufer der Düna reichte. Da W. auch im Innern des Reichs manche gute Einrichtungen traf, so gebührt ihm mit Recht der Beiname des Großen, den ihm sein Volk bei seinem Tode gab. Den Beinamen des Heiligen erwarb er sich dadurch, daß er bei Gelegenheit seiner Vermählung mit der byzant. Prinzessin Anna 988 sich taufen ließ und mit seinem ganzen Hofstaate und einem großen Teile seines Volks zur christl. Religion überging, während er bis dahin Heide gewesen war. Er ließ sich die Ausbreitung des Christentums von ganzem Herzen angelegen sein, gründete Kirchen, z. B. in Susdal, und Klöster, legte Schulen an und berief aus Konstantinopel eine Menge Priester, die den christl. Kultus unter seinem Volke verbreiteten. Er wurde damit der Begründer der griech.Kath. Kirche in Rußland. Bei seinem Tode, 15. Juli 1015, teilte er sein Reich unter seine zwölf Söhne, womit er den Grund u dem für Rußland verderblichen System der Teilfurstentümer (s. d.) legte. Die Kaiserin Katharina II. gründete ihm zu Ehren den Wladimir-Orden (s. d.) und ebenso wurde nach ihm die Universität in Kiew die St. Wladimirs-Universität genannt. Im russ. Volksepos (byliny) bildet W. den Mittelpunkt der kiewer Tafelrunde oder des sog. Wladimirschen Cyklus, doch ist darin vom historischen W. nur der Name geblieben; der Charakter des epischen W., der aschönen Sonnev oder der Sonne Kiewsv, ist kleinlich und unbedeutend.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 715Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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