FeedWogulen
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Wogulen, ugrisches Volk, meistenteils an der östl. Seite des nördl. Ural, in den russ. Gouvernements Perm (2000 Köpfe) und Tobolsk (4500 Köpfe) seßhaft, nennt sich und seine Nachbarn, die Ostjaken, Man-si, d. h. Män-Volk, von einem Flusse Män, der mytholog. Wichtigkeit hat als Schauplatz der wogul. Sintflut. Die W. waren einst weiter im Westen und Süden verbreitet und kamen 1499 unter die russ. Herrschaft. Obgleich man seit Herberstein gemutmaßt Lerin daß die Ungarn von den ugrischen Völkern herstammen, wurden die W. doch erst durch den ungar. Reisenden Anton Reguly (1843 — 45) durchforscht, dem der finn. Gelehrte Aug. Ahlquist nachfolgte (1855). Die Sprache der W. ist samt der ostjalischen mit der ungarischen verwandt; die gesamten Ugern bilden aber das östl. Glied der finn. Völker. Die Mythologie und Gesänge der W. sind bemerkenswert. Gegenwärtig treiben die W. Jagd und Fischfang. Über ihre Geschichte und Sprache geben namentlich Fischers „Sibir. Geschichtes (Petersb. 1768) und Lehrbergs ⸗Untersuchungen zur Erläuterung der ältesten Geschichte Rußlands» (Petersb. 1806) Nachrichten. Das Hauptwerk ist jedoch „A' vogul föld éEs népo (Land und Volk der W.», Pest 1864), das P. Hunfalvy aus Regulys Nachlaß bearbeitete und heraus-Led Dieses Werk enthält die wogul. Sagen und ieder in der Originalsprache und in ungar. Übersetzung. Ferner hat P. Hunfalvy die von G. Popow angefertigte übersezung des Matthäus⸗ und Markus-Evangeliums herausgegeben und danach eine ausführliche Grammatik nebst Wörterbuch bearbeitet (Pest 1872). Vgl. auch Ahlquist, Unter den Wogulen und Ostjaken (Helsingfors 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 718Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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