FeedWolff (Emil)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Wolff (Emil), deutscher Bildhauer, geb. 2. März 1802 zu Berlin, trat im Alter von 15 J. in die Werkstatt seines Oheims Gottfried Schadow. Als dessen ältester Sohn Rudolf in Rom 1822 gestorben war, wurde W., der sich durch das Relief David und Saul schon vorteilhaft bekannt gemacht, damit betraut, ein unvollendetes Werk seines Vetters fertig zu machen. Zugleich trat er in dessen Stelle als königl. Pensionär. Er ging nun nach Rom und blieb fortan daselbst, nur daß er 1828 und 1829 Griechenland und von Zeit zu Zeit seine Vaterstadt besuchte. Seine Werkstatt wurde eine der größten und meistbeschäftigten in Rom. Nach der Vollendung von Rudolf Schadows Achill und Penthesilea begann W. die große Reihe eigener Schöpfungen. Seine Darstellungsgebiete sind die griech. Mythe und das ideale Genre, und zwar mehr nach der Seite des Anmutigen und Schönen als des Erhabenen. Religiöse Stoffe behandelte er selten. Mit Reliefs beginnend, unter denen das Urteil des Midas und eine Charitas hervorzuheben, ging er in der Darstellung des Kriegers, der sich die Beinschienen anlegt, zur Vollplastik über. Dies Werk gelangte, wie manche andere von ihm, nach England. Die nächste Arbeit, die jugendlich-schöne Gestalt eines Fischers (1833), blieb in Deutschland. Aus der Fülleder Werke, die nun in ununterbrochener Folge entstanden, sind besonders zu nennen: Telephus von der Hirschkuh gesäugt, nach einem pompejanischen Wandgemälde: Hebe und Ganymed (1834) und Thetis, die dem Achill die Waffen bringt(1835); Amor mit Keule und Löwenhaut des Hercules (1836). Die Gestalten der Diana und ihrer Begleiterinnen, sowie die Figur der Psyche gehören ebenfalls in den Kreis der von ihm behandelten Gegenstände. Große Anerkennung fanden seine Amazonengruppe, in der eine der Kriegerinnen die andere tödlich verwundete stützt (1837), und Prometheus, mit dem Feuer im Rohre, 1844 für den König von Preußen in Marmor gearbeitet. Es folgte dann eine der acht Schloßbrückengruppen für Berlin (Nike, den Knaben auf die Helden der Geschichte hinweisend), sodann die Tochter des Nereus (für den Herzog von Leuchtenberg). Aus der Genresphäre sind zu nennen: die Spinnerin, die Tamburinschlägerin u. a. Bei der wieder auftauchenden Frage der Polychromie in der Plastik machte W. einen Versuch mit einer Figur, die fast ganz mit einem Bronzegewand bekleidet ist (1853). Eine ernstliche Folge ist diesem Versuche von ihm nicht gegeben worden, vielmehr hielt seine Meisterschaft in der Darstellung des Nackten ihn bei den unbekleideten Gestalten fest, durch welche er auch dauernden Beifall gewonnen hat. Für Kaiser Nikolaus lieferte er: Achill am Grabe des Patroklus (1854), für die Sammlung des Konsuls Wagener: eine Römerin, welche ihren Ohrenschmuck dem Vaterlande opfert (1857); es folgten Jephtha und seine Tochter, Marmorgruppe (1858), Psyche nach Amors lucht, Penelope, den Freiern das Gewand zeigend, irce (1864), Judith (Nationalgalerie, Berlin). Zu seinen besten Büsten gehören die von Thorwaldsen, Niebuhr, Bunsen und mehrern Gliedern des engl. Königinhauses. W. starb 29. Sept. 1879 in Rom.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 728Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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